Freiwillig Verzicht üben? 5 Beispiele, wann weniger Komfort besser für Dich ist

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Sich in Verzicht zu üben ist vermutlich so beliebt wie eine Fortbildung zur Datenschutzgrundverordnung.

In unserer Welt voller Überfluss und Komfort ist freiwilliger Verzicht scheinbar verzichtbar geworden. Im Gegensatz zur sparsamen Nachkriegsgeneration wirkt es heute kaum mehr nachvollziehbar, sich ohne Not selbst zu beschränken.

Unser Bild von einem asketischen Leben, in welchem man auf das meiste verzichtet, was der moderne Menschen für unverzichtbar hält, ist entsprechend trist, ernst und grau.

Vielleicht ist es an der Zeit, unsere Vorstellung von Verzicht zu überdenken. Ich glaube, heutzutage ist ein gewisses Maß an Verzicht sogar Voraussetzung dafür, das Leben in all seinen bunten Facetten wahrzunehmen. Der Zuspruch zur Minimalismus-Bewegung ist ein Indiz dafür.

Zu viel Komfort?

Das Zuviel an Komfort, das wir aktuell oft unbewusst genießen, hinterlässt immer mehr Spuren. Ganz abgesehen vom allgemein hohen Ressourcenverbrauch entgeht uns durch die allseits geförderte und geforderte Bequemlichkeit ziemlich viel Positives. Zum Beispiel echte Freude über etwas, für das wir lange gekämpft haben, das Glücksgefühl, über uns hinausgewachsen zu sein oder die Zufriedenheit, nach einem körperlich anstrengenden Tag hundemüde ins Bett fallen zu dürfen.

Häufig lernt man etwas erst dann wirklich schätzen, wenn man plötzlich ohne es auskommen soll. Doch es gibt einen Weg, das Gute schon vorher zu achten.

Wie das geht? Ich stelle Dir in diesem Beitrag 5 alltägliche Beispiele vor, die zeigen, dass es manchmal besser ist, sich freiwillig in Verzicht zu üben:

1. Essen und Trinken

Den meisten von uns steht mehr als genug Essen und Trinken zur Verfügung. Ob gut gefüllter Kühlschrank, Würstchenbude neben dem Supermarkt (!) oder Süßigkeitenautomat am Bahnhof – selten müssen wir lange (Heiß-)Hunger leiden.

Allerdings hat das üppige Nahrungsmittelangebot auch seine Schattenseiten: Unsere Ernährung ist in der Regel zu kalorienreich und einseitig. Außerdem muss sie als Kompensation für viele Dinge herhalten, mit denen wir unzufrieden sind.

Ohne sinnlosen Diäten das Wort reden zu wollen, würde uns ein wenig Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel vermutlich gut tun.

Wer schon einmal gefastet hat, kennt den Effekt, am Ende der Fastenzeit mehr Genuss beim Essen zu empfinden. Die Geschmacksnerven haben sich in der Zwischenzeit verfeinert, man isst bewusster und hat gelernt, besser auf die Signale des eigenen Körpers zu hören.

Um einen Unterschied wahrzunehmen, musst Du nicht gleich eine mehrwöchige Fastenkur einlegen. Du könntest auch damit beginnen, tage- oder wochenweise auf bestimmte Lebens- und Genussmittel zu verzichten, z. B. auf Schokolade, Fleisch, Fertigprodukte, Alkohol, Kaffee oder Limonaden. Nach der Pause wirst Du klarer erkennen, ob das, worauf Du verzichtet hast, Dir tatsächlich gut schmeckt und in welchen Situationen Du danach greifst.

2. Nachrichtenkonsum

Nachrichten dienen nicht allein dazu, uns über wichtige Entwicklungen zu informieren. Sie sind auch zu einem Produkt geworden, das wir im Übermaß konsumieren können und das uns von wichtigeren Dingen ablenken kann.

Bleibt er ungebremst, kann der Nachrichtenstrom dafür sorgen, dass unsere Sinne konstant überflutet werden. Bei all den Breaking News, Brennpunkten, Talkformaten und Kommentaren geht leider irgendwann unter, was wirklich Relevanz hat. Zu viele Informationen wirken überwältigend und erschweren das Treffen von Entscheidungen.

Ohne sich dem Weltgeschehen wie ein Eremit abwenden zu wollen, würde uns ein wenig Nachrichtenverzicht sicher gut tun.

Wer gerade aus dem Urlaub kommt, wundert sich oft über die Themen, die die Daheimgebliebenen bewegen. Auch im Alltag kann ein temporäres Informationsfasten oder ein regelmäßiger Digital Detox uns alles ein wenig unaufgeregter betrachten lassen.

Wenn Du die Vorteile eines reduzierten Nachrichtenkonsums kennenlernen möchtest, empfehle ich Dir

  • Dich nur einmal am Tag über das Geschehen in Deiner Heimat und der Welt zu informieren
  • Nachrichten- und Social Media-Apps von Deinem Smartphone zu löschen
  • den Fernseher nur bewusst für ein bestimmtes Programm an- und wieder auszuschalten.

3. Trendshopping

Unsere Bemühungen, bloß keinen (in der Mode inzwischen wöchentlich wechselnden) Trend zu verpassen, erinnern an Sisyphos: Kaum haben wir den Berg erklommen und etwas Neues gekauft, von dem wir glaubten, dass es uns glücklich macht, taucht das nächste Must Have am Shoppinghimmel (oder bei Instagram) auf und wir fangen von vorne an danach zu streben.

Neben der sich stetig wiederholenden Enttäuschung kurz nach dem Kaufrausch, ist das Hinterherjagen nach Trends auch teuer, zeitintensiv und hinterlässt immer neuen physischen und psychischen Ballast.

Ohne ganz auf Konsum verzichten zu wollen (was unmöglich wäre), könnten wir gleichwohl von etwas weniger materieller Orientierung profitieren.

Die meisten groß angepriesenen Neuheiten machen in Wahrheit keinen großen Unterschied. Vielmehr ist es so, dass wir viel weniger brauchen, als man uns gerne einreden möchte.

Auf Mode bezogen könntest Du z. B. für eine gewisse Zeit einen Shoppingbann verhängen bzw. in Deinem eigenen Kleiderschrank einkaufen gehen. Dabei stellt sich erstaunlicherweise oft heraus, dass die bislang ungetragenen Kleider sich auf neue Art und Weise doch gut kombinieren lassen. Ganz nebenbei stärkst Du so übrigens Dein Gespür für die Kleidung, die unabhängig von der aktuellen Saison wirklich zu Dir passt und entdeckst leichter Deinen eigenen, zeitlosen Stil.

4. Geschäftigkeit

Wir arbeiten in Unternehmen, in denen derjenige erfolgreich erscheint, der einen vollen Terminkalender hat, immer in Eile ist und lange Überstunden macht. Stress ist ein Statussymbol. Ob aber das, was wir tun, auch sinnvoll ist, wird selten hinterfragt.

Dabei gibt es einen großen Unterschied zwischen reiner Geschäftigkeit und tatsächlicher Effektivität. Etwas zu tun, nur um beschäftigt zu sein (oder so zu wirken), ist dumm. Geschäftigkeit schafft nur neue überflüssige Aufgaben, Hektik und Burnout. Dagegen dasjenige zu tun, was getan werden muss, ist viel intelligenter. Wer effektiv arbeiten will, muss sich deshalb konstant fragen, ob er das Richtige tut. Smart work statt stupid work.

Stell es Dir so vor: Solange Du in die falsche Richtung läufst, bringt es gar nichts, immer schneller zu laufen. Ans Ziel kommt man nur, wenn man die richtige Richtung einschlägt und unterwegs seinen Weg immer wieder korrigiert.

Wenn Du in Zukunft auf “busy being busy” verzichten möchtest, könntet Du so anfangen:

5. Komfort

Unser Alltag bietet wahrscheinlich mehr Komfort als sich frühere Generationen je hätten träumen lassen: Klimaanlagen zu Hause, im Auto und Büro, sprachgesteuerte Elektrogeräte und Essenslieferungen per Mausklick. Die größte Anstrengung scheint mitunter zu sein, sich für eine Sache entscheiden zu müssen.

Doch die ganze Bequemlichkeit kommt zu einem hohen Preis: Ein Tag gleicht oft dem anderen, wir halten krampfhaft am Gewonnen fest und scheuen Veränderungen, die (zumindest zeitweise) Anstrengungen mit sich bringen würden. Entsprechend gelangweilt, unbeweglich und übervorsichtig sind wir.

Wird uns jedes Problem abgenommen, verliert das Leben irgendwann seinen Reiz. Was fehlt ist das Abenteuerliche, die Lust am Entdecken und Ausprobieren, die Bereitschaft, unbequeme Wege zu gehen und dabei Fehler zu riskieren.

Schwierigkeiten stärken den Geist, ebenso wie die Arbeit den Körper.

Seneca

Damit Dich nicht irgendwann der Boreout befällt, kannst Du ab heute trainieren, im Alltag die eigene Komfortzone hin und wieder zu verlassen. Suche bewusst das Unbequeme, etwa indem Du

  • früher als sonst aufstehst
  • morgens kalt duschst
  • jeden Tag etwas Neues lernst
  • auf einen Fremden zugehst und Dich vorstellst
  • vor einer Gruppe eine Rede hältst
  • beim Sport an Deine körperliche Grenze gehst
  • jemandem zuhörst, der eine andere Meinung vertritt
  • etwas tust, was Du schon immer tun wolltest, Dich bislang aber nicht getraut hast.

Du wirst sehen: Sich regelmäßig der Herausforderung von etwas weniger Komfort zu stellen, bereitet unerwartete Freude und stärkt noch dazu das Selbstbewusstsein!

Fazit: Mit einer Prise freiwilligem Verzicht lässt sich das Leben besser genießen als ohne.

Mich interessiert, was Du über dieses Thema denkst: Gibt es etwas, worauf Du hin und wieder gerne verzichtest? 

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Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Annabel

    Liebe Rebecca,

    das ist ein sehr wichtiges Thema. Ich denke auch, wir sollten generell wählerischer mit unseren Möglichkeiten umgehen.

    Für mich fühlt sich der Verzicht auf etwas meist gar nicht wie ein Verzicht an. Denn ich entscheide mich ja zwischen verschiedenen Optionen für eine, bei der ich merke, dass sie mir guttut.

    Zum Beispiel kann ich prima auf Fast Food verzichten, weil ich mich nach solchem Essen schlapp und müde fühle. Ich entsage also dem Unwohlsein und gewinne dadurch Lebendigkeit durch frisch zubereitete Mahlzeiten. Ist doch ein guter Deal, oder? 😉

    Liebe Grüße

    Annabel

    1. Rebecca

      Liebe Annabel,
      danke für Deinen Kommentar und diese zusätzliche Perspektive auf das Thema – Verzicht nicht als etwas Negatives zu sehen, sondern als Entscheidung für etwas, das uns mittel- und langfristig gut tut. So gesehen gewinnt man am Ende mehr als sich kurzfristig am Komfort zu orientieren.
      Ein guter Deal!
      Liebe Grüße
      Rebecca

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