Einkaufen als Freizeitbeschäftigung?

Einkaufen als Freizeitbeschäftigung?

Einkaufen war im Jahr 2020 das beliebteste Hobby der Deutschen.

Durch die Zugangsbeschränkungen während der Pandemie mag die Shoppingfreude etwas getrübt worden sein – oder sich nur ins Internet verlagert haben. Höchstwahrscheinlich wird die Lust am Einkaufen mit der Wiedereröffnung der Geschäfte aber zurückkehren; vielleicht sogar noch einmal zunehmen.

Ich frage mich, warum fast 30 Prozent der Bevölkerung Einkaufen als ihre liebste Freizeitbeschäftigung angeben. Dabei blicke ich auch auf meine eigene Shoppinghistorie zurück und beschreibe die Folgen, die das Konsumhobby bei mir hatte.

Warum wir Einkaufen lieben

Grundsätzlich wäre es naiv zu denken, Menschen kauften nur etwas, wenn sie es bräuchten. Unsere Grundbedürfnisse als Konsumenten nach einem Dach über dem Kopf, einem Schlafplatz, Nahrung, Hygiene und Kleidung sind doch recht schnell gestillt.

Das hält uns natürlich nicht davon ab, weiter zu konsumieren. Im Gegenteil. Ein Großteil der Wirtschaft ist darauf ausgelegt, immer mehr menschliche Bedürfnisse zu erfüllen. Viel mehr.

Wir kaufen nicht nur, weil wir etwas zum Leben brauchen, sondern auch

  • aus Lust
  • aus Langeweile
  • um uns zu belohnen
  • um uns besser zu fühlen
  • weil wir mit den Konsumgütern einen bestimmten Eindruck erwecken wollen, z. B. einen bestimmten Status zu besitzen oder einer Gruppe anzugehören
  • um einem Ziel näher zu kommen.

Kaufen ist mit Erwartungen und Emotionen verbunden. Glück in Tüten.

Inzwischen scheint Geld ausgeben zum Allheilmittel geworden zu sein. Auf fast jedes individuelle Problem lautet die einfache Antwort: Dir fehlt nur das richtige Produkt.

Einkaufen als Freizeitbeschäftigung

Ich selbst gehörte lange auch zu den Shoppingfans.

Es gab eine Zeit, da verbrachte ich so gut wie alle meine Samstage damit, einkaufen zu gehen. Die ganze Woche über hatte ich gearbeitet. Am Wochenende freute ich mich dann darauf, durch Fußgängerzonen und Kaufhäuser zu ziehen und mein frisch verdientes Geld gegen neue Kleider, Schuhe und Dekoartikel zu tauschen.

Abgerundet habe ich meine Konsumausflüge durch Pausen in Cafés, Abstecher in Fastfood-Läden und frühabendliche Kinobesuche. Erschöpft aber zufrieden kehrte ich anschließend nach Hause zurück.

Ganz ehrlich: Einkaufen war eine Freizeitbeschäftigung, die mir Spaß gemacht hat. Es fühlt sich gut an, etwas Schönes zu finden und zu kaufen – zumindest für kurze Zeit.

Getrübt wurde die gute Laune nur dann, wenn ich einmal nichts Passendes gefunden hatte. Von einem ganzen Shoppingtag mit leeren Händen nach Hause zu kommen, kann sich ganz schön elend anfühlen.

Kaufen um des Kaufens willen

Wie sich Shopping-Wochenende um Shopping-Wochenende aneinanderreihte, wuchs nicht nur mein Orientierungssinn in Kaufhäusern (mit ziemlich großer Sicherheit identifiziere ich auch in unbekannten Läden die Sale-Ecken). Zu Hause stapelten und quetschten sich schon die Hosen, Shorts, Pullover, T-Shirts, Blazer, Röcke, Kleider, Jacken und und und. Ich sollte mir bei IKEA noch eine Kommode holen…

Als ich einige Zeit später – mit einer minimalistischen Herangehensweise – die meisten dieser Kleider ausgemistet habe, ist mir erst aufgefallen: Viele davon habe ich so gut wie nie getragen. Die meisten Teile hatten Farben oder Muster, die mir überhaupt nicht standen, passten nicht richtig oder fühlten sich auf der Haut unangenehm an.

Um wenigstens etwas zu kaufen, hatte ich einfach irgendetwas gekauft!

Der Preis des ständigen Kaufens

Rückblickend wundere ich mich über meinen damaligen Hang, mit Einkaufen meine Freizeit zu füllen.

Der finanzielle Aspekt wiegt dabei gar nicht so schwer. Zwar hätte ich heute natürlich lieber das (investierte) Geld als die entsprechenden (noch vorhandenen) Klamotten. Doch dieses Lehrgeld habe ich gerne gezahlt.

Dadurch, dass ich nie genug hatte, machte ich mir selbst auch völlig überflüssigen Stress. Einkaufen war zu einer Aufgabe geworden, die es zu erledigen galt.

Was mich inzwischen aber am meisten irritiert ist, wie unglaublich viel Zeit mich das Einkaufen gekostet hat. Zu dem wöchentlichen Stadtbummel kamen noch Mini-Bummel während der Mittagspause, digitale Shoppingtouren von zu Hause und Outlet-Streifzüge während meiner Urlaube hinzu.

Heute frage ich mich: Warum habe ich meine Freizeit nicht besser genutzt? Ich hätte Sport treiben oder mich einfach ausruhen können. Ich hätte mehr Museen, Parks und Sehenswürdigkeiten besichtigen können. Ich hätte die Gegend, in der ich gelebt habe, nicht nur wie ein Tourist kennenlernen können.

Die Lektion

Die Vergangenheit kann ich nicht ändern, aber ich möchte von ihr lernen.

Mittlerweile bin ich nicht mehr so schnell begeistert von der Vorstellung Einkaufen zu gehen. Vielmehr erscheint mir meine Lebenszeit meistens viel zu kostbar, um sie mit Bummeln (egal ob digital oder live) zu verbringen – besonders, wenn ich gar nichts wirklich brauche.

Es lohnt sich, die eigenen Shoppinggewohnheiten einmal zu überdenken. Der Rückblick hat mich ermutigt, meine Freizeit heute bewusst anders zu nutzen – zum Beispiel so.

Und wenn ich tatsächlich etwas brauche, versuche ich die Suche danach kurz zu halten. Schließlich habe ich noch Besseres zu tun.

Meine Frage an Dich: Ist Shopping für Dich eine Freizeitbeschäftigung?

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Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Anton

    Hallo Rebecca, wenn ich deinen Artikel auf Bücher übertrage, könnte es exakt meine Geschichte sein. Da kamen bei mir in der Vergangenheit 1-2 Bücher die Woche neu dazu – so schnell konnte ich gar nicht lesen (und ich hab viele von denen auch nach ein paar Jahren immer noch nicht gelesen). Erschwerend kam noch hinzu, dass der Bücherschrank aus allen Nähten platze und einige Bücherkartons deswegen im Keller standen. Vor 2 Jahren habe ich diese Sammlung fast vollständig aufgelöst und besitze heute nur die Bücher, die ich tatsächlich für die Arbeit brauche, bzw. privat sehr gerne, sprich mehrmals lese. Und sie passen alle in unseren mittelgroßen Bücherschrank rein.

    Viele Grüße
    Tony

    1. Rebecca

      Hi Tony,
      lieben Dank für Deine Rückmeldung! Bücher finde ich auch sehr verführerisch 😉 und ich glaube, viele ungenutzte Bücher zu Hause stehen zu haben kann mehr Stress verursachen als ungenutzte Kleidung. Mit ungelesenen Büchern verbindet man ja immer Wissen, das man sich aneignen möchte oder einen Unterhaltungswert, den man nutzen möchte. Es sind also viele Erwartungen an uns selbst mit im Spiel, die von uns enttäuscht werden können, wenn wir nicht so viel lesen, wie wir gedacht haben. Und konzentriertes Lesen erfordert viel Muße.
      Als mir z. B. bewusst wurde, wie wenige Bücher ich im Jahre realistischerweise lesen kann, war ich geschockt. Es gibt doch so viele lesenswerte Bücher auf der Welt und ständig kommen neue hinzu!
      Ich glaube, Du gehst hier schon einen ganz guten Weg: Fokus auf die Bücher, die Du wirklich benötigst und die besten, die Du immer wieder lesen möchtest. Wenn Du weißt, wie Du sie findest…
      Das Thema ist wirklich spannend. Vielleicht schreibe ich demnächst einen ganzen Artikel dazu 😉
      Herzliche Grüße
      Rebecca

  2. Miriam

    LIebe Rebecca,

    sind wir irgendwie verwandt? Das könnte genau ich sein.
    Ganz genau so.
    Ich hatte genau die gleiche Zeit, in der ich die Samstage mit Shopping-Ausflügen verbracht habe. Damals war ich in einer mir fremden Stadt, hatte außer Arbeit wenig soziale Kontakte und irgendwie blieb scheinbar nur der Gang in die Shopping-Meilen, um den Samstag zu füllen… warum auch immer.
    Heute kann ich dir gar nicht mehr sagen, wann ich das letzte Mal “shoppen” war. Shopping stresst mich mittlerweile enorm und es nervt mich, meine Zeit damit zu vergeuden.
    Wie du schreibst: Aus der Vergangenheit lernen und die zur Verfügung stehende Zeit sinnvoll füllen. Fühlt sich viel besser an.

    Liebe Grüße
    Miriam

    1. Rebecca

      Liebe Miriam,
      vielen lieben Dank für Dein sehr persönliches Feedback! Ging es Dir wirklich auch so? Da bin ich ja erleichtert, dass ich nicht die Einzige bin 😉 Diese Erfahrungen haben etwas Gutes, denn ohne sie würden wir heute unsere Freizeit nicht so Zeit-achtsam verbringen.
      Herzliche Grüße
      Rebecca

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