Digitaler Minimalismus: Warum jetzt die beste Zeit für Informationsfasten ist

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Warum nicht nur analoger, sondern auch digitaler Minimalismus?

Der digitale Fluss durch unser Leben ist zu einem reißenden Strom geworden. Das Angebot an Neuigkeiten, Unterhaltung und Ablenkung wird stetig größer und größer. Inzwischen quillt nicht nur unser Kleiderschrank über, sondern auch unser digitales Leben.

Das Mehr an Bits und Bytes tut uns nicht mehr gut. Vor lauter Breaking News, E-Mails, Messenger-Nachrichten, Feed-Updates und Accounts, die gepflegt werden wollen, bleibt kaum noch Zeit für Reflexion, konzentriertes Arbeiten und tiefgründige Beziehungen. Oberflächlich, gestresst und vereinsamt – die Reizüberflutung hinterlässt ihre Spuren an uns.

Digitaler Minimalismus bietet uns ein Gegenmittel. Schon allein unserer Gesundheit zuliebe sollten wir die Digitalisierung unseres Lebens bewusst lenken. So wie wir bei einer gesunden Ernährung darauf achten, was wir unserem Körper zuführen, sollten wir auch unsere „digitale Nahrung“ bewusster wählen. Du bist nicht nur, was Du isst. Du bist auch, wem Du folgst.

Der allgegenwärtige Überfluss an Informationen

Rund um die Uhr, 24 Stunden am Tag und in der Nacht. Im Sekundentakt werden neue Informationen zu jedem erdenklichen Thema veröffentlicht – der CNN-Effekt potentiert ins Unendliche.

Egal, was auf der Welt gerade passiert – die Ausbreitung einer Pandemie, die Auszählung einer Präsidentschaftswahl, der Rosenkrieg eines Promipärchens – wir haben die Möglichkeit, in Echtzeit up-to-date zu bleiben.

Den Schlüssel zur nie erschöpfenden Newsquelle halten wir wortwörtlich in der Hand. Dank Smartphone, Flatrate und WLAN sind die neuesten Schlagzeilen, Posts und Informationshäppchen immer nur eine Fingerbewegung entfernt.

Unzählige Kanäle bieten mehr Inhalte als wir jemals aufnehmen könnten – geschweige denn verdauen. Das Internet ist nicht zu Ende lesbar.

Nachdem wir eine Weile alles Mögliche ungehindert in unser Leben haben strömen lassen, machen sich unterschwellige Symptome breit:

  • Wir fühlen uns überfordert
  • Wir sind oberflächlich informiert
  • Wir fühlen uns gestresst
  • Wir sind unglücklich.

Hatten wir uns nicht etwas ganz anderes erhofft?

1. Wir fühlen uns überfordert

Es ist ein Fortschritt, dass inzwischen via Internet und Smartphone so viele Menschen ungehinderten Zugang zu Informationen haben. Doch zu viele Informationen verwischen auch das Relevante.

Je größer das Angebot an Neuigkeiten, Meinungen und Details, desto weniger wissen wir, was wirklich wichtig ist. Wertvolle Informationen sind von Trash nur mit Mühe zu unterscheiden. Die schiere Menge überfordert uns.

Viele Informationen widersprechen sich sogar. Wissenschaftliche Studien kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen, für jeden beliebigen Standpunkt finden sich Experten und Fake News sind von Real News nicht mehr zu unterscheiden – was soll man da noch glauben?

2. Wir sind oberflächlich informiert

Unsere Aufmerksamkeit – vielleicht unser größter Schatz – ist und bleibt extrem begrenzt. Um den Informationsmassen Herr zu werden, versuchen wir deshalb, mehr in weniger Zeit zu erfassen.

Trotz der Menge an Nachrichten, die wir verfolgen, sind wir nicht gut informiert. Wir überfliegen Überschriften, scannen Texte, orientieren uns an Hashtagtrends und glauben, damit ein Problem eingeordnet zu haben. Wer nimmt sich noch die Zeit, einen mehrseitigen Artikel in Ruhe zu Ende zu lesen oder gar einen Blogartikel zu kommentieren?

Hinzu kommt: Die Informationen, die wir konsumieren, trüben unseren Blick anstatt ihn zu schärfen. Die Gesetze der Medienwelt bringen es mit sich, dass „Nachrichten“ vereinfacht, dramatisierend und zugespitzt formuliert werden. Im Kampf um unsere Aufmerksamkeit sind die gewählten Mittel nicht immer fair.

In den Sozialen Medien wird diese Tendenz auf die Spitze getrieben: Für jegliches Thema finden sich immer häufiger genau zwei Meinungen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Klare Kante statt Kompromissbereitschaft. Vorwürfe statt Verständnis.

Am Ende der Informationskette ist unsere Wahrnehmung von der Welt durch die Brille der genutzten Medien gefärbt und verzerrt. Wir sollten uns fragen: Sind wir hinterher wirklich schlauer als vorher?

3. Wir fühlen uns gestresst

Apps, Webdesign und Sendungen sind so konstruiert, dass wir immer mehr Zeit mit ihnen verbringen wollen. Benachrichtigungen, Signaltöne und Dramaturgie zielen darauf ab, möglichst lange unsere Aufmerksamkeit zu fesseln.

Gehen Nachrichten, Likes und Kommentare bei uns ein, wird im Gehirn das Belohnungszentrum aktiviert. Wir erleben ein kurzes Hochgefühl.

Besonders Social Media ist so attraktiv, dass wir nicht aufhören können zu scrollen, weiterzuklicken, dranzubleiben. Ehe wir uns versehen, haben wir mehrere Stunden unserer Lebens online für Nichtigkeiten vergeudet.

Selbst wenn wir das Smartphone gerade nicht nutzen, stehen wir in Alarmbereitschaft und warten nur auf die nächste Belohnung. Wenn sie nicht kommt, unterbrechen wir uns selbst.

Auch die Angst, etwas zu verpassen (FOMO), stresst uns. Als soziales Wesen haben wir das natürliche Bedürfnis, zu einer Gruppe zu gehören und fürchten uns davor, wichtige Dinge im Leben anderer zu verpassen. Die Sorge macht sich breit, bei den ständigen Statusupdates nicht auf dem Laufenden zu bleiben.

4. Wir sind unglücklich

Verbringst Du viel Zeit in den sozialen Netzwerken erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass Du Dich unglücklich machst. Am Ende eines Abends mit dem Smartphone fühlen wie nach einem schlechten Date.

Das Grundproblem: Wir vergleichen uns in den sozialen Netzwerken mit dem idealisierten Abbild anderer Menschen. Menschen, die scheinbar alle ein interessanteres, erfolgreicheres und glücklicheres Leben als wir selbst führen, die mehr erleben, mehr Geld verdienen und sowieso mehr Follower haben.

“Der Vergleich ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit.”

Søren Kierkegaard

Der schöne Schein der sozialen Netzwerke ist so blendend, dass wir die Schatten dahinter nicht sehen. Die Fotos wirken echt, obwohl sie retuschiert sind. Wir wissen, dass die große Mehrheit sich nur von ihrer allerbesten Seite zeigt, doch wir glauben, was wir zu sehen bekommen.

Mit unseren Selbstzweifeln bleiben wir dagegen allein und finden uns wieder im Glauben, dass alle anderen einfach mehr Glück im Leben haben als wir.

Der Corona-Lockdown verstärkt den Strudel

Der Corona-Lockdown verstärkt die negativen Seiten des Informationsangebots.

Zwar gibt es mehr Online-Kurse, Ideen und Tipps, was man jetzt doch alles machen könnte, als je zuvor. Doch gleichzeitig empfinden wir große Langeweile. Zwar fallen die Pendelzeiten im Home-Office und gesellschaftliche Verpflichtungen weg, doch der gefühlte Stress hat zugenommen.

Je länger die Pandemie andauert, desto häufiger flüchten wir vor Langeweile und Stress ins Digitale.

Ein Teufelskreis entsteht: Wir nutzen Nachrichtenportale und Social Media, um uns zu informieren und Beziehungen zu pflegen, doch hinterher fühlen wir uns gestresst, verunsichert und einsam. Daraufhin verbringen wir noch mehr Zeit im Digitalen, nur um uns anschließend noch schlechter zu fühlen.

Was Du tun kannst: Digitaler Minimalismus

Die genannten Entwicklungen lassen für mich folgende Schlussfolgerungen zu:

  • Wir müssen Informationen stärker selektieren.
  • Willenskraft allein reicht nicht aus, um Kontrolle über unsere Zeit zu behalten.
  • Soziale Medien erfüllen nicht unser Bedürfnis nach sozialen Beziehungen.

Was können wir dagegen tun?

Die Lösung besteht sicher nicht darin, die moderne Technik zu verteufeln und Eremit werden. Das Internet bringt uns viele Vorteile, wenn wir es gezielt dafür einsetzen, was uns wichtig ist und uns nicht instrumentalisieren lassen. Die Technik sollte uns dienen, nicht umgekehrt.

Digitaler Minimalismus ist ein vielversprechender Ansatz:

Ziel des digitalen Minimalismus ist es, wieder die Kontrolle über die eigene Zeit zurückzugewinnen. Ein digitaler Minimalismus strebt nach einem dauerhaft gesunden Umgang mit digitalen Informationen und Programmen.

Der erste Schritt in Richtung digitaler Minimalismus besteht darin zu akzeptieren, dass die Welt ist, wie sie ist. Beobachte einmal Deine Umwelt. Erkennst Du darin die beschriebenen Tendenzen der Reizüberflutung wieder?

Nimm auch wahr, wie Dein persönliches Nutzungsverhalten von digitalen Angeboten aussieht. Wie viel Zeit verbringst Du online? Wie fühlst Du Dich danach? Verspürst Du einen Zwang, bestimmte soziale Netzwerke zu nutzen?

#bewusstonline

Digitaler Minimalismus setzt im nächsten Schritt darauf, den eigenen Informationskonsum bewusst Grenzen zu setzen. Analoge Auszeiten sind z. B. ein Mittel für einen unaufgeregten, reflektierten und gesünderen Umgang mit dem Überangebot des Digitalen. Freiräume, in denen wir wieder mehr innere Ruhe finden und erkennen können, was wir brauchen.

So wie andere Blogger werde ich persönlich die heute beginnende Fastenzeit nutzen, um weniger Zeit in Nachrichtenportalen und auf Social Media zu verbringen. Ich denke, eine Phase des Verzichts tut mir gut, um wieder bewusst online zu sein.

Meine Frage an Dich: Wie gehst Du mit der Reizüberflutung um? 

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Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Chris

    Hi Rebecca,

    super wichtiges Thema finde ich.
    Sehr gut zusammengefasst. Digital Detox sollten wir viel öfter ausüben 🙂

    Viele Grüße
    Chris

    1. Rebecca

      Lieber Chris,

      vielen Dank für Deinen Kommentar. Ja, ein bisschen digital Detox tut einfach gut. Die Fastenzeit bietet sich dafür gerade sehr gut an.

      Viele Grüße
      Rebecca

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