Warum Du glaubst, Dinge nicht loslassen zu können

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Es kann unglaublich schwer fallen, sich von Sachen zu trennen.

Dinge nicht loslassen zu können liegt aber nicht allein am fehlenden Willen. Selbst dann, wenn wir verstanden haben, dass das Leben mit weniger Ballast leichter ist, halten wir an lange ungenutzten Gegenständen fest.

Hinter der Hemmung loszulassen stehen vielmehr ganz bestimmte Glaubenssätze, d. h. wiederkehrende Gedanken, von denen wir glauben, dass sie war sind. Wegwerfen beginnt demnach im Kopf.

Um vier weit verbreitete Glaubenssätze, die uns immer wieder daran hindern, uns von etwas zu trennen, geht es in diesem Beitrag. Ich zeige ich Dir, dass sie in manchen Fällen sogar unserer eigentlichen Intention widersprechen und stelle Dir alternative Glaubenssätze vor, die Dir helfen, Dinge leichter aus Deinem Leben gehen zu lassen.

1. Ich kann es vielleicht noch gebrauchen

Fangen wir direkt mit dem wohl hartnäckigsten und zugleich trügerischsten Glaubenssatz an: Dinge deshalb aufzuheben, weil man sie möglicherweise in Zukunft noch einmal gebrauchen könnte.

In der Überzeugung, sich besser jetzt schon auf mögliche Zukunftsszenarien vorzubereiten, als sich später darüber zu ärgern, dass man etwas weggegeben hat, bunkern wir die kuriosesten Sachen:

  • Ersatzteile, von denen wir nicht mehr wissen, was sie ersetzen
  • Zubehör, das zu Gegenständen gehört, die wir nicht mehr benutzen
  • Kleidung, die uns noch nie gepasst hat
  • Materialreste von lange abgeschlossenen Projekten
  • Erinnerungsstücke, die uns an etwas Negatives erinnern.

Kommt Dir das bekannt vor? Wenn Du Dinge nicht loslassen kannst, weil Du glaubst, sie vielleicht irgendwann noch einmal gebrauchen zu können, lass mich Dir einen anderen Gedanken mit auf den Weg geben: Tatsächlich wäre es einfacher, sich von diesen Dingen zu trennen.

Denn: Jede Sache, die wir aufbewahren, aber nicht benutzen, fordert laufend ihren Preis. Die Dinge nehmen Platz in unseren Wohnungen ein, kosten uns Geld, Zeit und Aufmerksamkeit. Je mehr ungenutzte Dinge wir ansammeln, desto schwerer lastet ihr Gewicht in unseren Gebäuden und Gedanken.

Spätestens dann, wenn wir die Übersicht über all die Dinge in unseren Kellern, Kartons und Kisten verloren haben, wäre es an der Zeit, sich zu befreien.

Die Sorge, Dinge nicht loslassen zu können, weil man es später bereuen könnte, ist in den meisten Fällen völlig unbegründet. Erstens kommt es anders als man denkt und zweitens können wir ruhig mehr auf unsere eigene Problemlösungskompetenz vertrauen. Und selbst für den seltenen Fall, dass Du etwas Ausgemistetes doch noch einmal gebrauchen könntest, lässt sich ein Ersatz auch wieder besorgen.

Alternativer Glaubenssatz: Ich weiß mir auch in Zukunft zu helfen.

2. Es ist so gut wie neu

Du kannst Dich nicht von Dingen trennen, die so gut wie neu sind, vielleicht noch ein Preisschild tragen oder originalverpackt sind?

Für solche Fälle gibt es eine gute Faustregel: Wenn Du etwas zwei Jahre oder länger nicht benutzt hast, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Du es auch in Zukunft nicht benutzen wirst.

Das Argument, die Sachen seien noch gut und es wäre Ressourcenverschwendung sie auszusortieren, lasse ich aus zwei Gründen nicht gelten:

  • Zum einen sollte man sich vor einer Neuanschaffung überlegen, ob man etwas wirklich braucht oder nicht. Wenn Du etwas kaufst, das Du gar nicht brauchst, ist das nicht gerade nachhaltig (weder für die Umwelt noch für Deine Finanzen).
  • Zum anderen könnten die bereits vorhandenen Ressourcen deutlich besser genutzt werden. Indem Du ungenutzte Dinge an jemanden weiterreichst, der sie auch benutzt, können Ressourcen tatsächlich eingespart werden, da keine neuen verbraucht werden.

Mein Tipp: Verschenke, verkaufe oder verleihe gut erhaltene Dinge und erwäge auch selbst, gebrauchte Produkte zu verwenden oder zu teilen.

Alternativer Glaubenssatz: Was ich nicht brauche, kann vielleicht jemand anders gut gebrauchen.

3. Es war ziemlich teuer

Ob Skiausrüstung, Designerkleid oder 12-teiliges Porzellanservice mit Goldrand: Von Dingen, die besonders teuer waren, trennen wir uns alles andere als leichtfertig.

Würden wir uns entschließen die Luxusgegenstände loszulassen, müssten wir uns schließlich eingestehen,

  • dass wir eine Menge Geld verschwendet haben
  • dass uns die Sachen nicht das Glück gebracht haben, das wir uns von ihnen versprochen hatten
  • dass wir diese Dinge gar nicht brauchen.

So schmerzlich diese Einsichten sein können – sie haben auch eine positive Seite. Nach dem Fehlkauf muss nicht vor dem nächsten Impulskauf sein. Wenn wir einsehen, dass unser Glück nicht von der nächsten Shoppingrunde abhängt, haben sich die teuren Einkäufe der Vergangenheit doch noch bezahlt gemacht.

Sehen wir die Ausgaben für Statussymbole einfach als Lehrgeld, das uns in Zukunft davon abhält, Anerkennung in Form von materiellen Gütern zu suchen.

Alternativer Glaubenssatz: Glück kann man nicht kaufen.

4. Es war ein Geschenk

Hast Du ein schlechtes Gewissen bei dem Gedanken, ein Geschenk auszumisten? Wie viele Souvenirs von Orten, an denen Du nie warst, einzelne Geschenktassen oder Dekoobjekte, die gar nicht zu Deinem Einrichtungsstil passen, hebst Du aus Pflichtgefühl dem Schenkenden gegenüber auf?

Ich glaube, jeder Beschenkte darf grundsätzlich mit einem Geschenk machen, was er oder sie möchte. Niemand ist dazu verpflichtet, Geschenke bis in alle Ewigkeit aufzubewahren. Zu erwarten, dass Deine verschenkte Vase ab sofort immer auf dem Esstisch steht, wenn Du zu Besuch kommst, wäre kein Geschenk, sondern eine Verpflichtung für den Beschenkten.

Das eigentlich Besondere an einem Geschenk ist doch der gute Gedanke des Schenkenden und dessen ehrliche Mitfreude an der (möglichen) Freude des Beschenkten.

Deshalb ist der Moment der Übergabe eines Geschenks so wichtig: Bist Du achtsam beim Verschenken bzw. dankbar beim Empfangen eines Geschenks hat sich der Zweck des Schenkens im Grunde schon erfüllt und es ist egal, was weiter mit dem Geschenk an sich passiert.

Mein Tipp: Manchmal hilft es beim Loslassen, ein Foto von dem Geschenk zu machen, um sich in Zukunft daran erinnern zu können. Geschenkideen, die nicht zu Gerümpel führen, habe ich in diesem Artikel zusammengestellt.

Alternativer Glaubenssatz: Das wahre Geschenk ist die Nähe zwischen Schenkenden und Beschenkten.

Von den Dingen, die wir jetzt brauchen

Die Glaubenssätze zu identifizieren, die uns Dinge nicht loslassen lassen, ist der erste Schritt der Befreiung. Im zweiten Schritt geht es darum, einen anderen Blickwinkel einzunehmen.

Ungenutzte Dinge nicht loslassen zu können, hat letztlich viel mit unserer zeitlichen Perspektive zu tun. Entweder kleben wir an einer Vergangenheit, die nicht mehr richtig zu uns passt. Oder wir erwarten eine Zukunft, wie wir sie schon kennen.

Doch genauso wie die Vergangenheit vergangen ist, ist die Zukunft ungewiss und noch zu gestalten. Besser als sich Vorwürfe über Vergangenes oder Sorgen um Künftiges zu machen, wäre sich zu fragen, was man jetzt braucht und was nicht (mehr), um so zu leben, wie man leben möchte.

Alles, was Du jetzt besitzt, aber nicht brauchst, hält Dich potentiell davon ab, das zu tun, was Du tun möchtest.

Vielleicht liegt der Schlüssel zum Loslassen darin, darauf zu vertrauen, dass wir jetzt und in Zukunft die notwendigen Fähigkeiten und Mittel haben, um jedes Problem zu lösen.

Meine Frage an Dich: Welche Gedanken sorgen dafür, dass Du Dinge nicht loslassen kannst?

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