Weniger: Die vernachlässigte Option

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Normalerweise versuchen wir ein Problem dadurch zu lösen, indem wir etwas hinzufügen:

ProblemLösungsansatz
viel zu tunmehr arbeiten
Langeweilemehr Unterhaltung
Konsumwunschmehr Geld verdienen
Fehler passiertmehr Regeln aufstellen

Addition ist die naheliegende Antwort auf die Fragen unserer Zeit. Mehr erscheint grundsätzlich besser bzw. kann doch nicht schaden.

Was wir bei der standardmäßigen Addition allerdings vernachlässigen: Mehr schafft auch neue Probleme. Diese werden uns (wenn überhaupt) erst dann bewusst, nachdem wir schon eine Schippe drauf gelegt haben.

Ungewollte Nebeneffekte von Mehr

Sowohl im privaten als auch im öffentlichen Leben bringt Mehr in der Regel auch immer neue Herausforderungen mit sich:

  • Je mehr Kleider wir im Kleiderschrank haben, desto schwerer fällt uns die Wahl, was wir anziehen sollen
  • Je mehr wir konsumieren, umso mehr Geld müssen wir verdienen bzw. umso länger müssen wir arbeiten, um unseren gestiegenen Lebensstandard zu finanzieren.
  • Je mehr Regeln aufgestellt werden, desto länger lassen Entscheidungen und Ergebnisse auf sich warten.

Durch Addition erhöht sich auch immer die Komplexität einer Sache – egal ob Kleiderschrank, Lebensstandard oder Organisation.

Den damit zusätzlich verbundenen Aufwand machen wir uns selten bewusst:

  • mehr Entscheidungen müssen gefällt werden
  • mehr Verantwortung fällt an
  • es gelten mehr Einschränkungen
  • neues Konfliktpotential entsteht.

Allein durch Mehr wird etwas also nicht automatisch besser. Manchmal wird etwas dadurch auch schlimmer. Addition verbraucht nicht nur neue Ressourcen. Sie kostet uns auch mehr Zeit, Geld und Nerven.

Übertreiben wir es mit dem Anhäufen, erreichen wir irgendwann einen Punkt, an dem wir entscheidungsmüde, überfordert oder schlimmstenfalls wie gelähmt sind. Im Zweifel wissen wir nicht mehr, wie wir noch etwas unter den selbst großgezogenen Bedingungen richtig machen können.

Weniger: Die bessere Alternative?

Dass die Lösung für ein Problem auch Weniger lauten könnte, kommt uns als Alternative meist gar nicht erst in den Sinn. Es ist die vernachlässigte Option.

Wir halten es für ganz normal, dass

  • die Anzahl der Bildschirme in unserem Umfeld ständig zunimmt
  • eine neue Wohnung immer größer als die alte ist
  • unser Vorgesetzter einen neuen monatlichen Bericht einfordert, zusätzlich zum bisherigen Reporting.

Dabei zeigt die Erfahrung, dass es sich lohnen kann, weniger zu wagen.

Der Minimalismus baut auf der Erkenntnis, wonach in allen wesentlichen Bereichen des Lebens weniger tatsächlich mehr sein kann:

  • je weniger Kleider wir besitzen, desto leichter fällt die morgendliche Outfitwahl
  • je weniger Dinge wir besitzen bzw. konsumieren, desto mehr Geld und Freizeit bleibt uns
  • je weniger (ungewollte) Verpflichtungen wir eingehen, desto mehr Zeit und Energie haben wir für die Beziehungen und Aktivitäten, die uns wichtig sind.

Das Minimalismus-Prinzip lässt sich nicht nur gewinnbringend auf das Individuum anwenden. Auch Unternehmen und Gemeinschaften können davon profitieren:

Wenn wir etwas vereinfachen, können bislang gebundene Ressourcen wieder frei werden. Subtraktion bietet deshalb auf vielen Ebenen gute Lösungsansätze und ist in jedem Fall eine beachtenswerte Alternative.

Weniger als echte Alternative betrachten

Heißt Mehr jetzt automatisch schlechter? Nein. Ich sage nicht, dass Addition nie eine gute Alternative ist. Aber ich glaube, es wäre schon ein Fortschritt Weniger überhaupt einmal als mögliche Alternative zu betrachten.

Wie wäre es, wenn wir bei Problemen öfter auch die Vor- und Nachteile der Subtraktion abwägen würden?

Bei der Frage, wie wir ein bestimmtes Problem lösen können, hat jeder von uns die Freiheit sich zu fragen:
Inwieweit wäre Weniger besser?

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