Wie Du leichter Bücher aussortieren kannst

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Es gibt im Japanischen ein Wort dafür, mehr Bücher zu kaufen als man lesen kann: Tsundoku.

Dem einen mag das Sammeln und Präsentieren von Büchern große Freude bereiten. Den anderen können Stapel ungelesener Bücher enorm belasten. Generell habe ich den Eindruck, es fehlt uns an Kriterien, nach denen wir guten Gewissens Bücher aussortieren können.

In diesem Beitrag geht es darum, warum es uns oft so schwer fällt, uns von Büchern zu trennen. Außerdem stelle ich Dir viele praktische Tipps vor, wie Du Bücher sinnvoll aussortieren und leichter aus Deinem Leben gehen lassen kannst.

Warum wir so viele Bücher kaufen

Wie kommt es, dass wir dazu neigen, neue Bücher zu kaufen, obwohl wir noch so viele ungelesene zu Hause liegen haben?

Ich glaube, das Phänomen hat vor allem zwei Ursachen:

1. Gelungenes Marketing

Egal, wie breit oder speziell Dein Lesegeschmack sein mag: Das Angebot an Titeln ist gewaltig.

Gleichzeitig ist es so leicht wie nie zuvor, Bücher zu kaufen. Mit nur wenigen Handbewegungen sind sie (noch dazu ohne Versandkosten) bestellt oder zu einem noch günstigeren Preis heruntergeladen.

Auch die Buchhandlungen sind verführerischer denn je gestaltet. Zuweilen fühlt man sich wie in einem Lifestyleladen voller einladender Sitzecken und Kaffeespezialitäten.

2. Die Erfolgsillusion

Ein Buch zu kaufen ist einfach. Schneller ist die EC-Karte gezückt, als die Rückseite eines Buches gelesen.

Der Kauf eine Buches verschafft uns ein sofortiges Erfolgserlebnis und wir scheinen damit unserem eigentlichen Ziel schon einen Schritt näher gekommen zu sein.

Bücher und unsere Erwartungen an sie

Und selbst wenn wir nicht dem Marketing oder der Erfolgsillusion auf den Leim gehen, verbinden wir mit dem Kauf eines Buches auch immer bestimmte Erwartungen.

Unsere Erwartungen an Bücher können recht vielfältig sein und spiegeln einen Teil unserer Persönlichkeit wider.

So erhoffen wir uns von Büchern wechselweise:

  • neue Erkenntnisse
  • von den Erfahrungen anderer zu profitieren
  • einen Wissensvorsprung gegenüber Menschen, die das Buch nicht gelesen haben
  • Unterhaltung
  • bei gesellschaftlichen Debatten mitreden zu können
  • andere mit unserer Büchersammlung zu beeindrucken
  • eine innere Sehnsucht zu stillen.

Ein Kochbuch kauft zum Beispiel typischerweise, wer sich wohlfühlen, ein Achtsamkeitsbuch, wer mehr innere Ruhe verspüren, einen Wanderführer, wer seine Sehnsucht nach Natur stillen will.

Dabei müssen wir Bücher nicht einmal lesen, damit sie unsere Hoffnungen erfüllen. Manchmal sind wir schon zufrieden, dass eine große Büchersammlung auf Gäste eine einschüchternde Wirkung zeigt.

Warum wir Bücher behalten

Neben den vielen Erwartungen verknüpfen wir auch Emotionen mit unseren Büchern. Deshalb fällt es auch so unglaublich schwer, Bücher auszusortieren.

Allein dadurch, dass wir ein Buch besitzen, erscheint es uns wertvoller, als es ist (Besitztumseffekt). Wenn wir ein Buch dann lesen, bauen wir währenddessen eine persönliche Beziehung zu ihm auf.

Am kostbarsten sind die Bücher, die mit bestimmten Lebensphasen oder persönlichen Beziehungen verwoben sind, etwa die Kinderbücher, die uns unsere Eltern vorgelesen haben, Bücher, die eine Widmung enthalten oder Bücher, die wir während eines schönen Urlaubs gelesen haben.

Unsere persönlichen Erwartungen und Emotionen führen dazu, dass unsere Beziehung zu Büchern nicht einfach mit derjenigen zu anderen Gebrauchsgegenständen vergleichbar ist. Eine rein nüchterne Sicht auf Bücher nach dem Motto „Hab ich gelesen, kann weg“ oder „Interessiert mich nicht mehr, werde ich verschenken“ ist selten.

Von der Last der Bücher

Zu viele Bücher können zu einer Last werden – physisch und psychisch.

Bücher brauchen viel Platz. Ihr schweres Gewicht spüren wie bei jeder Neuorganisation der Bücherregale und so richtig bei einem Umzug.

Für optische Unruhe in unserem Zuhause sorgen Bücher, die aus Platzgründen schon die zweite Reihe im Regal einnehmen, obenauf quer liegen oder sich auf dem Boden stapeln.

Eher unterschätzt wird der mentale Druck, den langsam verstaubende Bücher auf uns ausüben können:

  • Sie fordern uns unbewusst auf, mehr oder schneller zu lesen
  • Sie sorgen für ein schlechtes Gewissen, wenn wir nicht so viel lesen, wie wir uns vorgenommen haben
  • Sie verbreiten das Gefühl, etwas zu verpassen.

Wenn Du auch Druck durch ungelesene Bücher verspürst, solltest Du wissen: Du musst kein schlechtes Gewissen haben, wenn Du nicht alles liest, was Du Dir vorgenommen hast. Du darfst Bücher auch aussortieren und loslassen.

Wie viele Bücher wirst Du lesen?

Die Zahl der Bücher, die wir lesen können, ist stark begrenzt. Im vergangenen Jahr habe ich zum Beispiel rund 20 Bücher gelesen. Unter relativ gleichen Rahmenbedingungen ist nicht zu erwarten, dass ich in diesem Jahr und in der weiteren Zukunft viel mehr lesen werde.

Lesen erfordert Zeit und Muße. Beides ist heutzutage oft Mangelware. Gerade in diesem Moment haben wir wichtigere Dinge zu erledigen, es fällt uns schwer, uns zu konzentrieren oder wir haben einfach nicht das passende Buch zur Hand, das uns gerade begeistert.

Diese Erkenntnisse kann man sich zunutze machen, um besser einzuschätzen, wie viele Bücher man tatsächlich „braucht“.

Folgende Konsequenzen ziehe ich daraus für mein Leseverhalten:

  • Ich lese nur Bücher, die mich wirklich interessieren
  • Ich lese meistens „Klassiker“, d. h. Bücher, die schon von anderen Lesern als gut befunden und weiterempfohlen wurden
  • Ich vermeide es, brandneue Bücher zu lesen, deren Qualität ich nicht kenne (es sei denn, ich vertraue dem Autor oder Kritiker)
  • Wenn mir ein Buch nicht gefällt, höre ich auf, es zu lesen

Wie viel wir lesen können, hängt natürlich von unserer Lesegeschwindigkeit und unseren Lesegewohnheiten ab. 20 Tipps, wie Du im Alltag mehr Zeit zum Lesen gewinnst, habe ich in diesem Artikel zusammengestellt.

Welche Bücher ich loslasse

Auch wenn ich nicht allzu viele neue Bücher kaufe, miste ich regelmäßig meine Altbestände aus. Beim Kaufen und Loslassen von Büchern habe ich folgende Erfahrungen gemacht:

  • Zwar nehmen sie mehr Platz als E-Books ein, aber ich kaufe in der Regel die gedruckte (Taschenbuch-)Version eines Buches. Ich mag einfach die Haptik und den Geruch von Büchern.
  • Wenn mich ein Buch interessiert, versuche ich zunächst, es gebraucht zu kaufen. Gebrauchte Bücher haben in meinen Augen einen besonderen Charme. Ich mag den Gedanken, dass schon andere Leser zu einer andere Zeit das Buch in ihren Händen gehalten und dieselben Worte wie ich gelesen haben. Gebrauchte Bücher lassen sich meiner Erfahrung nach auch leichter wieder loslassen als neue, da sie nicht so teuer waren.
  • Bei folgenden Buchkategorien fällt es mir recht leicht, auszusortieren: alte Reiseführer, alte (statistische) Jahrbücher, kostenlose (Werbe-)Bücher oder uninteressante Büchergeschenke (Bestes Beispiel: „Liköre selbst machen“).
  • Bei Romanen und Krimis entscheide ich am Ende des Buches, ob ich sie behalte oder nicht. Viele Geschichten liest man nur ein Mal und spätestens auf der letzten Seite hat man ein gutes Gespür dafür, ob man ein Buch noch einmal lesen möchte oder nicht.
  • Bei Fachbüchern entscheide ich nach ihrem „Verfallsdatum“. Bücher, die aktuell bleiben (z. B. aus den Gebieten Geschichte, Archäologie, physische Geographie oder Grammatik) behalte ich, wenn sie mir zusagen. Bücher, deren Inhalt überholt ist, sortiere ich aus.
    Mein Tipp: Spätestens 7 Jahre nach der Schule oder dem Studium kannst Du gut beurteilen, ob Fachbücher noch relevant sind.
  • Folgende Bücher behalte ich: Klassiker der Literatur, sehr praxisorientierte Arbeitsbücher und Bücher, die mich in irgendeiner Form stark inspiriert oder berührt haben – meine persönlichen Lieblingsbücher.

Zu schade für die Tonne?

Deine aussortierten Bücher kannst Du im Prinzip in die Papiertonne werfen und recyceln. (Einbände aus Kunststoff gehören in die gelbe Tonne.)

Ich weiß, dass das viele Menschen nicht übers Herz bringen und auch ich mache es nur in Ausnahmefällen. Den Glaubenssatz „Bücher darf man nicht wegschmeißen“ und die damit indirekt ausgedrückte Achtung vor dem Autor und dem Buch als Kulturgut finde ich großartig.

Wenn Dich Bücher aber belasten und Du auf keinem anderen Weg Bücher aussortieren kannst, ist es vollkommen in Ordnung, sie zu recyceln. Es gibt aber viele gute Alternativen.

Wie Du leichter Bücher aussortieren kannst

Ich finde, es ist leichter (und nachhaltiger), ein Buch aus meinem Leben gehen zu lassen, wenn ich weiß, dass es einen neuen Leser finden wird.

Um zukünftige Leser für Deine aussortierten Bücher zu finden kannst Du die Bücher:

  • an (interessierte) Familienmitglieder und Freunde verschenken
  • an Deinem Arbeitsplatz in ein Büchertauschregal für Kollegen legen (oder ein solches aufbauen, falls es das noch nicht gibt)
  • in öffentliche Bücherschränke stellen
  • der nächstgelegenen Bücherei anbieten
  • einem Wohltätigkeitsladen schenken
  • auf einem Flohmarkt oder online verkaufen (als „Bücher- und Warensendung“ sind Bücher günstig per Post zu verschicken)
  • von einem Ankaufsportal ankaufen lassen. Ich habe zum Beispiel sehr gute Erfahrungen mit dem Anbieter momox* gemacht. Per App kann ich meine gebrauchten Bücher ganz einfach zu Hause einscannen. Ich sehe sofort, ob mein Buch aktuell angekauft wird und wie viel Geld ich dafür bekomme. Anschließend kann ich die Bücher kostenlos mit DHL oder Hermes an momox senden. Das Geld für meine Bücher bekomme ich überwiesen, sobald diese eingetroffen sind.
  • bei schönem Wetter auf eine Parkbank legen und „auswildern“
  • auf Deinem Blog verlosen.

Bücher sind zum Lesen da

Natürlich muss niemand Bücher aussortieren, wenn er oder sie das nicht möchte. Ich persönlich liebe Bibliotheken und hätte auch gerne selbst eine. Denkst Du dabei auch an die Szene aus Disneys „Die Schöne und das Biest“, in der Belle eine ganze Bibliothek geschenkt bekommt?

Es spricht auch nichts gegen eine dekorative Bücherwand im Wohnzimmer – die gibt es mittlerweile sogar als Fototapete!

Aber lassen wir uns von der Optik nicht blenden: Ein volles Bücherregal sagt noch nichts darüber aus, ob jemand viel liest bzw. wie gebildet oder tolerant jemand ist. Die in Leder gebundene Enzyklopädie kann ein reines Statussymbol sein, dass Dich beeindrucken soll.

Streben wir lieber danach, mehr zu lesen, als mehr Bücher zu besitzen. Denn Bücher sind zum Lesen da.

Ich bin der Meinung, ein Buch verliert seinen Wert, wenn es nicht gelesen wird. Deshalb ist es gut, Bücher, die uns nicht (mehr) interessieren, weiterziehenzulassen.

Stell Dir einfach Folgendes vor: Während Du Dich vom Ballast der Bücher befreist, schlägt ein anderer Mensch gerade sein zukünftiges Lieblingsbuch auf.

Meine Frage an Dich: Bei welchen Büchern fällt es Dir besonders schwer sie loszulassen?

P.S.: Vielen Dank an meine Leser Tony und Glitzertochter, die mich durch ihre Kommentare zu diesem Beitrag inspiriert haben.

*Dieser Link wird von momox gesponsert. Die Kooperation kam erst zustande, nachdem ich das Konzept für den Beitrag bereits entworfen hatte. Der Inhalt gibt meine persönliche Meinung wieder und wurde durch das Sponsoring nicht beeinflusst.

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