5 Minimalismus-Tipps für Familien oder warum weniger mit Kindern manchmal mehr ist 

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Dies ist ein Gastbeitrag von Miriam, Inhaberin des Blogs Mein Lebensspiel

Was braucht man als Familie, um glücklich zu sein? Braucht man das große Haus oder den großen Garten? Braucht man die Stadt oder viel grüne Natur? Braucht man fünf Super-Spielplätze in unmittelbarer Nähe oder reicht auch ein kleiner Bachlauf mit Steinen und etwas Matsch? Braucht es Massen an Lego, Playmobil, Puppenhäusern, Spielen usw.? 

All diese Fragen muss und soll jeder für sich selbst beantworten. 

Die Frage, die ich mir dazu allerdings immer häufiger stelle: Macht mich das immer Mehr und noch Mehr bzw. das immer Größer und Größer am Ende tatsächlich glücklich?  

Oder werden durch Neuanschaffungen vor allem andere (kurzfristige) Bedürfnisse befriedigt? Wie lange erfreuen wir uns tatsächlich an den neuen Dingen? Wie oft vergessen wir Dinge, die wir mal irgendwann irgendwo „mitgenommen“ haben, weil sie verführerisch im Regal lagen. Mir passiert das immer wieder. Und jedes Mal ärgere ich mich im Nachhinein darüber. 

Solange man alleine oder zu zweit lebt, lässt sich die Menge an Dingen, die sich im Laufe der Zeit anhäufen, noch relativ gut begrenzen und überblicken. Doch mit dem ersten Familienzuwachs ändert sich das sehr schnell. 

Mit den Kindern steigt die „Besitz-Masse“ 

Schon vor der Geburt des Babys heißt es: Shoppen – ob gebraucht oder neu. Das Baby braucht ein Bett, eine Wiege, ein Beistellbett, ein Stillkissen, einen Kinderwagen, eine Trage, einen Autositz, einen Wickeltisch, eine Kommode, Babykleidung für jede Lebens- und Wetterlage, Windeln und weiteres Verbrauchsmaterial in Massen und auch Mama braucht neue Kleidung vor und ggf. nach der Geburt.  

Um nur die wesentlichsten Dinge aufzuzählen, denn die Shopping-Möglichkeiten rund um Geburt und Babyglück sind nahezu unendlich.  

Die Monate vergehen und mit jedem Monat benötigt der Nachwuchs etwas Neues: Ein Hochstuhl muss her. Babygeschirr, Fläschchen, Lätzchen halten mit den ersten Brei-Löffelchen Einzug und auch Spielzeug wie Spielbogen, Krabbeldecke, Lauflernwagen etc., füllt die Räume nach und nach.  

Mit den vielen Kindersachen erhalten die Eltern ungefragt ein neues Hobby oder zumindest einen neuen Zeitvertreib: Ausmisten, sortieren, weiterverkaufen bzw. verschenken. Regelmäßig „darf“ Mama und/oder Papa nun durch die Regale, Schubladen, Kisten und Schränke stöbern und schauen, was weg kann. Das macht zwei-, dreimal viel Spaß. Aber irgendwann ist es nur noch ein nerviges, aber notwendiges Übel, um etwas Luft zu schaffen. Zumindest kurzfristig. Denn meist sind die Lücken sehr schnell wieder mit neuen Dingen befüllt.  

Ist der Spielbogen verschwunden, zieht das Bobbycar ein, kommen Bauklötze und Lego-Steine dazu, Laufrad und Dreirad stehen in der Garage, am Eltern-Fahrrad hängt der Fahrradanhänger und ein Sandkasten wird im Garten aufgebaut. Dazu braucht es Sandelzeug in Hülle und Fülle, Bagger zum Sand-Verschieben und Laster für den Abtransport. Mal ganz abgesehen von Puppenwagen und Kinderküche. Puh… 

Ich habe manchmal das Gefühl, dass für jedes Teil, das ich aussortiere, zwei neue hinzukommen. Denn Gelegenheiten für Neues lauern an jeder Ecke… da ist manchmal guter Rat teuer.  

Gibt es überhaupt noch einen Weg aus dieser Masse und wenn ja, wie können wir all den Überfluss zumindest begrenzen?  

5 Minimalismus-Tipps für Familien 

1. Verzichte auf vermeintliche Must-Haves 

Gerade in der Schwangerschaft und auch später im Austausch mit anderen Müttern liest und sieht man/frau Unmengen an vermeintlich praktischen Dingen, die scheinbar absolut notwendig sind, um ein Kind großzuziehen.  

Bevor Du jedoch auf die Suche gehst und auf „Kaufen“ klickst, solltest Du innehalten. Frage Dich immer: Wann und zu welcher Gelegenheit benötige ich dieses Teil wirklich? Habe ich vielleicht schon etwas Ähnliches, das ich umfunktionieren könnte?  

Ein Beispiel ist der Kinderwagen. Irgendwie gehört der zum neuen Baby dazu und ihn „braucht die Babyfamilie halt“. Sicher? Ich kenne einige Mütter, die ihr Kind am liebsten getragen haben oder sehr schnell nur noch mit dem Fahrradanhänger unterwegs waren. Der Kinderwagen stand dann meist in der Ecke. Wenn Du wie ich hingegen sicher weißt, dass Du eine Wagen-Mami aber keine Tragemami sein wirst, dann verzichte auf die Trage und investiere in einen guten Kinderwagen. Am besten in ein Modell, das nicht nur mit Schale in den ersten Monaten, sondern auch mit Buggy-Einsatz für weitere Jahre genutzt werden kann – sonst landet direkt das nächste Großgerät in der Garage.      

Viele dieser „Musst Du unbedingt haben“-Teile, die Dir überall angeboten werden, wirst Du am Ende nicht benötigen. Selbstverständlich gibt es Dinge, die den Alltag erleichtern. Doch vieles ist schlicht überflüssig und wird dann nur benutzt, weil es halt eh da ist.  

Aber frage Dich ehrlich: Brauche ich das wirklich? Brauchst Du zum Beispiel eine Babywippe oder einen Sterilisator für Milchflaschen? Braucht das Baby ein eigenes Bett oder genügt ein Beistellbett? Brauchst Du einen Laufstall oder kann das Baby in Deiner Wohnung auch auf dem Boden liegen? 

Sei Dir gegenüber ehrlich und traue Dich auch, bewusst NEIN zu sagen, wenn Dir vermeintliche Must-Haves angeboten werden.

2. Gebraucht kaufen und wieder verkaufen plus ein Extra-Tipp 

Viele Baby-/Kleinkind-Must-Haves benötigt man nur für kurze Zeit. So zum Beispiel einen Babyeinsatz für den Hochstuhl, einen Laufstall, einen Kinderwagen (wenn Du nicht sicher bist, ob Du zur „Schiebe-“ oder „Tragefraktion“ gehörst 😉), Babykleidung (die leihst Du am allerbesten von Freundinnen aus) etc.  

Da lohnt sich häufig eine Neuanschaffung überhaupt nicht. Plattformen wie ebay kleinanzeigen oder Vinted sind tolle Fundgruben für gut erhaltene, gebrauchte Baby- und Kinderausstattung. Das Allerbeste: Über all diese Plattformen kannst Du die Sachen, die Du nicht mehr benötigst, wieder weiterverkaufen. Das ist auch noch nachhaltig und schont die Umwelt. Win-win! 

Extra-Tipp

Eine Ausnahme, von der man aus meiner Sicht NIE genug haben kann, sind Bücher in jeder Form. Mit Büchern dürfen sich die Regale gerne biegen, denn diese sind unglaublich wichtig für die Entwicklung der Kinder. Allerdings gibt es auch hier eine gute Möglichkeit, nicht alle Bücher zu Hause anzusammeln und zwar die gute alte Bücherei.  

Dinge leihen anstatt gleich zu kaufen, ist insgesamt eine sehr gute Möglichkeit dem Überfluss-Wahnsinn etwas Einhalt zu gebieten. Möglichkeiten gibt es mittlerweile mehr als genug. Auch Baby- und Kinderkleidung kannst du mieten. Zum Beispiel über die „Räubersachen“.

3. Gemeinschaftsgeschenke und Gutscheine

Die meisten Kinder besitzen heute deutlich mehr Spielsachen als die Kinder früherer Generationen. Spielzeug in Massen stapelt sich in den Kinderzimmern. Die Regale sind bunt gefüllt mit Playmobil, Lego, Bauklötzen, Kinderküchen, Kaufläden, Fahrzeugen aller Art, Puppen, Puppenwägen, Brettspielen, Büchern etc.  

Was mir dabei aufgefallen ist: Häufig sind die Spielsachen so entwickelt, dass sie auch nur für ein konkretes Spiel-Szenario verwendet werden können. Die für mich so wichtige Fantasie beim Spielen bleibt daher häufig auf der Strecke. Leider. 

Doch ohne Geschenke zu Geburtstag oder auch Weihnachten geht es leider auch nicht. Sinnvoll sind daher aus meiner Sicht größere Gemeinschaftsgeschenke, die zum einen die Regale entlasten und zum anderen zu fantasievolleren Spielen anregen können. Das kann das neue Fahrrad sein oder ein Kletter-Schaukel-Gerüst für den Garten, das kann die Ritterburg oder das Puppenhaus für das Kinderzimmer sein oder ein Kasperletheater mit Handpuppen – gemeinschaftlich geschenkt von allen Omas, Opas, Tanten, Onkeln usw.  

Das Positive an einigen wenigen, dafür hochwertigeren Geschenken: Die Kinder lernen Dinge wertzuschätzen. Sie gehen automatisch vorsichtiger mit den Sachen um, wenn sie diese nicht in Massen haben und wenn sie wissen, dass diese auch einen Gegenwert besitzen.  

Was ich dafür gar nicht leiden kann, sind die ganzen Billig-Spielsachen, die sich leider schnell anhäufen, weil beim oder zum Kindergeburtstag bekommen (Stichwort „Mitgebsel“) oder beim Marktbummel im Urlaub als Mitbringsel gekauft. Komplett vermeiden kann man sie jedoch nicht.  

Für etwas ältere Kinder sind Aktions-Gutscheine eine gute Option, der Spielzeugflut etwas entgegenzuhalten. Ein Ausflug in den Freizeitpark mit der Tante, ein Zoobesuch mit Oma und Opa oder eine Kletterpartie in der Kletterhalle. All das finden Kinder super und die Erinnerung an den Ausflug bleibt lange im Gedächtnis. 

4. Natur entdecken 

Gönn Dir mit Deiner Familie öfters mal eine kleine Auszeit in der Natur. Pack eine Picknicktasche und eine Decke und zieh einfach los. Du wirst begeistert sein, was Du im Wald, im Feld, auf der Wiese oder einem Berg alles entdecken kannst.

Das Beste: Ausflüge beflügeln die Fantasie und meistens entstehen kurze Zeit später neue Spiel-Ideen. Lass die Kinder Wanderstöcke und Tannenzapfen sammeln. Im Zweifel dienen diese später als Bastelmaterial an rauen Herbsttagen. 

Wenn der Wald-Ausflug vermeintlich zu langweilig ist, dann verpacke ihn in eine spannende Expedition oder mach eine Wald-Schnitzeljagd daraus. Du weißt ja, im Netz der Netze finden sich viele gute Ideen 😉  

5. Weniger ist mehr 

Dieser Tipp liegt auf der Hand: Bei allem, was Du tust, rufe Dir diesen Merksatz ins Gedächtnis: „Weniger ist mehr“! Dieser Spruch gilt IMMER. Egal wann, egal wo. Denn Du und Deine Familie braucht am Ende nicht von allem immer mehr, sondern von den Dingen, die Euch wichtig sind, die richtigen. Investiere lieber in Qualität und nicht in Quantität. Dein Baby kann keine 25 Hosen in Größe 62 tragen, bevor es aus der Größe herausgewachsen ist. Statt in fünf Paar Billig-Lauflernschuhe investiere in ein sehr gutes Paar.  

Ein minimalistisches Familienleben

Mit diesen fünf Tipps schaffst auch Du die ersten Schritte in ein minimalistischeres Leben mit Kindern. Selbstverständlich gibt es noch viele, viele weitere Tipps und Möglichkeiten, Dein Familienleben minimalistisch zu gestalten. Der einfachste: Miste aus und trenne Dich von all den Dingen, die Dich nur belasten und nicht glücklich machen.

Meine Erfahrung zeigt mir jedoch, dass das für einen selbst meist sehr einfach geht. Doch Kinder können sich häufig nur schwer von ihren Sachen trennen. Daher ist es am besten, von Anfang an dafür zu sorgen, dass erst gar kein Spielsachen-Überfluss entsteht. Alles hast Du als Elternteil selbstverständlich nicht in der Hand. Aber den Grundstein und die Richtung gibst immer Du vor. 

Wie gelingt Dir der Spagat zwischen aufkommendem Überfluss und Minimalismus-Anspruch? Lass uns gerne einen Kommentar da! 

Über die Autorin

Ein Leben abseits von (selbstgemachtem) Stress, mit kleinen Auszeiten und entschleunigenden Hobbies – das ist der Wunsch von Bloggerin Miriam. Sie bloggt seit 2020 auf mein-lebensspiel.de über Entschleunigung für Garten- und Nähverrückte sowie starke Frauen. Die Arbeit im Garten, die mit guter Ernte und reich blühenden Blumen belohnt wird, sowie das Erlernen des Näh-Handwerks, entschleunigen und bringen Ruhe in ihren oft stressigen Alltag. Runterkommen ist nicht immer einfach, wenn man selbst immer weiter und weiter möchte. Umso wichtiger sind die täglichen Auszeiten zum Durchatmen. Miriam lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Süddeutschland.

Lies auch meinen Partner-Gastbeitrag auf Miriams Blog zum Thema „Wie Dir Minimalismus beim Entschleunigen helfen kann“.

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