Einfach sein lassen: Warum Du eine Not-To-Do-Liste anlegen solltest

Einfach sein lassen: Warum Du eine Not-To-Do-Liste anlegen solltest

To-Do-Listen sind vielleicht das bekannteste Instrument des Zeitmanagements. Sie eignen sich besonders gut dafür, mehrere Aufgaben geleichzeitig im Blick zu behalten und nichts zu vergessen.

Warum neben einer To-Do-Liste auch eine Not-To-Do-Liste sinnvoll sein kann und welche Punkte Du ohne schlechtes Gewissen ab sofort ganz aus Deinem Leben streichen kannst, erkläre ich Dir in diesem Artikel.

Machen oder nicht machen?

To-Do-Listen können ein effektives Werkzeug sein, um unsere Aufmerksamkeit bei parallel laufenden Projekten zu fokussieren, wichtige Aufgaben zu priorisieren und diese stringent zu erledigen. Sie haben aber auch einen großen Nachteil: Schnell landet alles Mögliche auf ihnen.

Wenn wir nicht aufpassen, sammelt sich so im Alltag allerhand Überflüssiges auf unserer To-Do-Liste an. Irgendwann wissen wir nicht mehr, wie wir jemals den ganzen Berg an Aufgaben wieder abtragen sollen.

Wenn Du gerade an so einem überwältigenden Punkt angekommen bist, solltest Du keinesfalls aufgeben und das ganze System in Frage stellen. Tatsächlich hilft es, einmal andersherum an die Sache heranzugehen; sich grundsätzliche Gedanken darüber zu machen, welche Aufgaben überflüssig sind.

Das kann generell alles sein, was unseren Werten widerspricht, uns vom Erreichen unserer Ziele abhält oder was wir für andere Menschen tun, obwohl diese selber dazu in der Lage wären.

Diese Punkte streichst Du konsequent von der Aufgabenliste bzw. erstellst eine eigene Not-To-Do-Liste. Kannst Du Dir das befreiende Gefühl schon vorstellen?

Nutzen von Negativzielen

Eine Not-To-Do-Liste hat einen weiteren Vorteil: Wenn Du noch unsicher bist, was Du überhaupt machen möchtest, ist es erstaunlich erhellend, darüber nachzudenken, was Du gar nicht machen möchtest.

Mir persönlich haben während des Studiums beispielsweise Praktika dabei geholfen zu identifizieren, in welchen Berufen ich nicht arbeiten möchte. Sozusagen Negativberufswünsche.

Das Gute ist: Je genauer Du weißt, was Du nicht tun willst, desto leichter fällt es Dir Nein zu sagen, desto besser kannst Du Dich auf die für Dich wichtigen Menschen und Aktivitäten im Leben konzentrieren und desto mehr Zeit und Energie wirst Du dafür zur Verfügung haben.

Legen wir also los und misten wir unsere endlosen Aufgabenlisten aus!

Die Not-To-Do-Liste für alle Lebensbereiche

In allen Lebensbereichen profitierst Du davon, Klarheit über das zu gewinnen, was Du nicht gerne machst und was Du lieber sein lässt.

Eine Not-To-Do-Liste eignet sich deshalb nicht nur für den Beruf, sondern auch für das Privatleben. Du kannst die Negativliste prinzipiell auf alles übertragen, was Du ablegen möchtest – sogar auf ungesunde Gewohnheiten bis zu negativen Gedanken.

Dabei geht es bei den Not-To-Dos nicht um rigorose Verbote. Vielmehr bieten sie Dir Orientierung in einer komplexen Welt. Ob Beziehungen, Finanzen oder Gesundheit: Einige lieb gemeinte „Stop-Schilder“ können Dein Leben deutlich erleichtern. In dem Bewusstsein darüber, was Dir z. B. nicht gut tut, kannst Du im Alltag schnellere und unter Druck bessere Entscheidungen treffen.

Zur Veranschaulichung habe ich Dir ein paar Beispiele aus verschiedenen Lebensbereichen zusammengestellt, die auf einer Not-To-Do-Liste stehen könnten:

Arbeit

Fangen wir im Berufsleben an, wo wahrscheinlich jeder schon einmal mit einer To-Do-Liste experimentiert hat, um Herr über all die anfallenden Aufgaben zu bleiben. Falls Du bislang keine rechten Erfolge damit erzielt hast, war Deine To-Do-Liste vielleicht zu lang. Wenn es darum geht, kreativ zu sein, sich auf eine Kernaufgabe zu konzentrieren und Leistung zu erbringen, kannst Du zum Beispiel gut auf Folgendes verzichten:

  • Ablenkungen (etwa durch Social Media und Dein Smartphone)
  • Angst vor Fehlern
  • überflüssige Meetings
  • Doppelarbeit
  • Aufgaben, die nicht zum gewünschten Ziel führen.

Interessiert Dich das Thema Produktivität? Dann empfehle ich Dir auch diese Beiträge:

Beziehungen

Wir Menschen sind soziale Wesen. Wir alle brauchen den Kontakt zu anderen Menschen, um uns wohlzufühlen. Soziale Beziehungen können aber auch ganz schön kompliziert sein und zu einer Quelle von Spannungen werden.

Es gibt einige No-Gos, mit denen sich viel Ärger vermeiden lässt:

  • andere Menschen willentlich verletzen
  • über andere lästern
  • in wütendem Zustand E-Mails schreiben
  • Einladungen annehmen, obwohl man keine Lust dazu hat
  • Beziehungen aufrechterhalten, die Dir nicht gut tun.

Partnerschaft

Ich bin keine Beziehungsexpertin, aber ich weiß, dass es einige Dinge gibt, die man in Partnerschaften lieber sein lässt:

  • dem anderen allgemeine Vorwürfe machen („Du bist immer so …“, „Nie machst Du …“)
  • versuchen, den Charakter des Partners zu verändern
  • Dinge des anderen ohne zu fragen wegschmeißen (ein ernstzunehmendes Problem von Minimalisten).

Gesundheit

Sich bewusst zu ernähren und regelmäßig zu bewegen ist gesund – weiß doch jeder! Aber bei der konkreten Umsetzung sind wir oft ratlos und überfordert. Sehen wir es einmal so: Wenn wir die ungesündesten Verhaltensweisen meiden bzw. begrenzen, tun wir unserem Körper langfristig etwas Gutes:

  • kein Obst und Gemüse essen
  • nie selber kochen
  • abends vor dem Fernseher Chips, Eis und Schokolade in uns hinein stopfen
  • den ganzen Tag sitzend verbringen.

Finanzen

Ich denke, entgegen der verwirrenden Finanzberichterstattung muss der Umgang mit dem eigenen Geld gar nicht kompliziert sein. Du hast Deine Finanzen schon deutlich besser im Griff, wenn Du ein paar grundlegende Fettnäpfchen umgehst, etwa:

  • mehr Geld ausgeben als einnehmen
  • große Anschaffungen spontan entscheiden
  • die Gesamtkosten von Verträgen nicht kennen
  • Konsumschulden machen.

Zu diesem Thema passt auch: “Ich habe es mir verdient” und 5 weitere Finanzirrtümer

Gedanken

Woran wir den ganzen Tag denken, geschieht größtenteils unbewusst und tendiert (leider) eher ins Negative. Grund genug, uns unsere Gedanken bewusster zu machen, und diejenigen auszumisten, die uns nicht weiterbringen, z. B.

  • sich über das Verhalten anderer ärgern
  • sich Sorgen machen
  • eine Opferhaltung einnehmen
  • wichtige Erfahrungen als unvermeidliche Fehler deuten
  • nicht den eigenen Einfluss auf Situationen anerkennen.

Persönlichkeit

Abschließend möchte ich das Prinzip der Not-To-Dos auch auf den Bereich der Persönlichkeitsentwicklung übertragen. Wie wäre es zur Abwechslung, sich einmal zu überlegen, was für ein Mensch man nicht sein möchte?

Je nachdem, welche Werte Dir im Leben wichtig sind, ist es erhellend, die Eigenschaften zu benennen, die Du persönlich nicht vorleben möchtest. Wer möchte zum Beispiel als oberflächlich, intolerant oder gleichgültig gelten?

Finde Deine Not-To-Dos

Die hier genannten Beispiele sind natürlich subjektiv und dienen als Anregung. Ich schreibe den Artikel aber für Dich und damit Du Deine eigenen Not-To-Dos identifizieren kannst.

Um Deine persönlichen „Stop-Schilder“ herauszufinden, kannst Du Dir folgende Fragen stellen:

Welches Verhalten bringt mich immer wieder in Schwierigkeiten?

Welche schlechte Gewohnheit möchte ich ablegen?

Welche Tätigkeit kann ich sein lassen, ohne dass jemand einen Unterschied merkt?

Nach dem Konsum welcher Medien geht es mir schlechter als zuvor?

Worauf reagiere ich allergisch?

Welches Verhalten mag ich nicht an anderen Menschen?

Je länger ich über dieses Thema nachdenke, umso überzeugter bin ich: Es gibt wohl kein Feld, auf welches man eine Not-To-Do-Liste nicht anwenden kann.

Du könntest z.B. auch diejenigen Farben und Schnitte notieren, die Dir überhaupt nicht stehen, und Dir damit den Kleiderkauf erleichtern. Oder Du überlegst Dir Regeln, zu welchen Zeiten und in welchen Situationen Du Dein Smartphone nicht benutzen möchtest. Schließlich könntest Du Dir lehrreiche Erfahrungen ins Gedächtnis rufen, um in Zukunft besser zu reagieren.

Mein minimalistisches Fazit: Wenn Du ein Problem hast, fang damit an etwas zu entfernen und schon bist Du einen Schritt weiter.

Was mich jetzt noch interessiert: Was möchtest Du in Zukunft nicht mehr tun?

Teile diesen Beitrag

Schreiben Sie einen Kommentar