Was uns Dystopien über Freiheit lehren (mit Buchverlosung)

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Heute ist ein besonderer Tag: Die Bürger der Bundesrepublik Deutschland drücken ihren politischen Willen in freien Wahlen aus. Der Tag ist nicht nur bedeutsam, weil heute die Machtverhältnisse im Parlament neu zugeteilt werden. Dieser Tag steht auch für die Freiheit, unsere Repräsentanten selbst wählen zu dürfen – alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Diese Freiheit hatten wir nicht immer und in anderen Ländern dieser Erde können die Menschen auch heute von ihr nur träumen.

Dystopien: Literarische Warnung vor der Zukunft

Selbst wenn es nicht am Zeitgeist liegt, sondern an meinem persönlichem Interesse: In den letzten Wochen habe ich mich intensiver mit Dystopien beschäftigt. Und viele Parallelen zur Gegenwart gefunden: Gesellschaftliche Debatten drehen sich oft im Kern um die Frage, wo Freiheit endet und Unfreiheit beginnt – angefangen bei unserer Sprache, über den Umgang mit der Pandemie, bis hin zur Vielfalt der Meinungsäußerung. Kann Deutschland eigentlich #FreedomDay?

Eine Dystopie wird definiert als eine Erzählung, die ein pessimistisches Zukunftsbild entwirft. Die Autoren dystopischer Geschichten wollen mit ihrer Schilderung einer möglichen Zukunft auf bedenkliche Entwicklungen in der Gegenwart aufmerksam machen.

Zu den bekanntesten dystopischen Romanen zählen Schöne neue Welt* von Aldous Huxley (1932), Farm der Tiere* von George Orwell (1945), Fahrenheit 451* von Ray Bradbury (1953) und Der Report der Magd* von Margaret Atwood (1985). In jüngerer Zeit haben uns Dystopien wie Die Tribute von Panem* von Suzanne Collins (2009-2020), Der Circle* von Dave Eggers (2014) und Vox* von Christina Dalcher (2018) erschreckende Gesellschaftsentwicklungen aufgezeigt.

Weil das Thema so fesselnd ist und ich glaube, dass uns Dystopien gerade heute viel über die mitunter schmale Grenze zwischen Freiheit und Unfreiheit mitteilen können, geht es im heutigen Blogbeitrag darum, was wir von Dystopien über Freiheit lernen können.

Alle Leseratten aufgepasst: Am Ende des Artikels gibt es eines der erwähnten Bücher zu gewinnen!

Was wir von Dystopien über Freiheit lernen können

1. Unfreiheit beginnt mit der Kontrolle von Kommunikation

Ein wiederkehrendes Merkmal von dystopischen Gesellschaften: Die Kommunikation der Menschen untereinander ist stark eingeschränkt und Informationen werden staatlich gelenkt.

In dem dystopischen Roman Vox dürfen Mädchen und Frauen beispielsweise nur 100 Worte am Tag sprechen. Andernfalls erhalten sie Stromschläge, die ein fesselartiger Wortzähler an ihrem Handgelenk aussendet. In der Dystopie Der Report der Magd reden die Mägde in der Öffentlichkeit nur über eng begrenzte Themen, etwa das Wetter oder Einkäufe. Überall lauern Wachen und Spitzel, um die Einhaltung der Kommunikationsregeln zu kontrollieren. Die Menschen in Panem wiederum werden regelmäßig gezwungen, sich propagandistische Fernsehsendungen anzuschauen.

Der große Vorteil der Kommunikationskontrolle: Wird die Möglichkeit der freien Meinungsäußerung begrenzt, wird gleichzeitig die Kritik am unterdrückenden politischen System unterbunden.

Andererseits kann auch ein Zuviel an Kommunikation in die Unfreiheit führen, wie uns der dystopische Roman Der Circle zeigt. Darin werden die Mitarbeiter eines erfolgreichen sozialen Netzwerks angehalten, möglichst viel und häufig über das Netzwerk zu kommunizieren. Im digitalen Strom der unendlichen Kommentare, Empfehlungen und Likes verliert allerdings die Stimme des Einzelnen mehr und mehr an Bedeutung. Die großen Zusammenhänge und eigentlichen Machtverhältnisse geraten im Kleinklein der Informationshäppchen vollends aus dem Blick.

2. Es ist ein schleichender Prozess, der in die Unfreiheit führt

Was mich beim Lesen der Dystopien (oder Anschauen der Verfilmung) jedes Mal neu erschreckt hat: Der Übergang von Freiheit zu Unfreiheit passiert fast unmerklich. Hier eine kleine Einschränkung, dort eine neue Regel – stets in den allerbesten Absichten und jede einzelne Maßnahme für sich genommen auch gut begründet und nachvollziehbar. In ihrer Summe führen diese Entscheidungen jedoch stets in einen Zustand der Tyrannei:

  • Damit der Fortbestand der Menschheit gesichert wird, muss die Fortpflanzung staatlich organisiert werden (Schöne neue Welt, Der Report der Magd).
  • Um mehr Sicherheit zu gewinnen, verzichten die Menschen freiwillig auf immer mehr Privatsphäre (Der Circle).
  • Zum Wohle der ganzen Farm werden längere Arbeitszeiten eingeführt und die Menge des Essens streng rationiert (Farm der Tiere).

Auch hier zeigt sich: Ohne einen Blick auf das Gesamtbild droht eine Mehrheit schon bald in einem Alptraum aufzuwachen.

3. Unfreiheit lebt von Lügen, die gut verpackt sind

In jeder Dystopie gibt es Menschen, die von der Unfreiheit der anderen profitieren:

  • Die Männer üben Macht über Frauen aus (Der Report der Magd, Vox).
  • Die Manager genießen nicht nur finanzielle Vorteile sondern üben auch Einfluss auf die Politik des Landes aus (Der Circle).
  • Die Schweine wohnen und ernähren sich besser als die restlichen Tiere (Farm der Tiere).

Ihre Sonderstellung kann die herrschende Schicht dabei stets begründen:

  • Es entspricht der natürlichen Ordnung, dass Männer arbeiten und sich um Politik kümmern, während Frauen die Erziehung der Kinder und den Haushalt verantworten (Vox, Der Report der Magd).
  • Ein privates Unternehmen kann schneller und günstiger Leistung erbringen als der Staat (Der Circle).
  • Da die Schweine die klügsten Tiere sind, verantworten sie die Organisation der Farm (Farm der Tiere).

Die wahren Machtverhältnisse bleiben den meisten Untertanen verborgen. Doch warum lassen das die Menschen mit sich machen? Zum einen, weil die Unterdrückten den überzeugenden Lügen ihrer Unterdrücker Glauben schenken (wollen). Zum anderen, weil diejenigen, die die Wahrheit erkennen, mit Gewalt mundtot gemacht werden.

4. Bücher sind ein Fundament der Freiheit

Eine Lektion, die uns auch schon die Geschichte lehrt – ich denke an die Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten oder das Verzeichnis der verbotenen Bücher der Inquisition – greifen auch Dystopien immer wieder auf: Bücher und die Fähigkeit zu lesen sind essentiell für eine freie Gesellschaft.

Wird das gesprochene oder geschriebene Wort eingeschränkt, drohen dramatische Folgen:

  • In Der Report der Magd dürfen Frauen keine Bücher mehr lesen. Infolgedessen sind sie völlig abgeschnitten vom Wissensschatz der Vergangenheit und neuen, relevanten Informationen.
  • Schulmädchen in Vox lernen erst gar nicht richtig lesen und schreiben, sondern nur einfachste Haushaltsrechnungen und das Aufstellen von Einkaufslisten. Ein Leben in Abhängigkeit von Männern ist vorgezeichnet.
  • In Fahrenheit 451 ist der Besitz von Büchern allen Bürgern verboten. Dadurch gehen nicht nur die wunderbaren Geschichten dieser Welt verloren. Auch das eigenständige Denken wird ausgebremst.
  • Die Tiere in Die Farm der Tiere, die nicht lesen können, haben keine Chance zu erkennen, dass sich die gemeinsam festgehaltenen Regeln laufend zu ihren Ungunsten verändern. Sie sind den Manipulationen durch die Schweine hilflos ausgeliefert.

Die einhellige Lektion der Dystopien: Bücher und Lesen sind die vielleicht besten Mittel, von den Erfahrungen der Vergangenheit zu lernen und sich ein eigenes, kritisches Urteil zu bilden!

Buchverlosung

Cover Vox Christina Dalcher Dystopien Buch

Passend zum Thema Dystopien verlose ich heute ein Exemplar des Buches „Vox“ von Christina Dalcher*!
Um an der Verlosung teilzunehmen, hinterlässt Du einfach unter diesem Artikel einen Kommentar. Du kannst darin z. B. ein Buch nennen, das Dich in letzter Zeit bewegt hat (es muss auch keine Dystopie sein). Oder Du beschreibst, was Freiheit für Dich bedeutet.
Teilnahmeschluss ist der 17.10.2021. Viel Glück!
Update vom 20.10.2021: Das Los hat entschieden und zwar, dass das Buch an Susanne geht. Herzlichen Glückwunsch, viel Spaß beim Lesen und vielen Dank an alle, die diesen Beitrag kommentiert haben!

*Affiliate-Link: s. dazu Ziff. 9 der Datenschutzerklärung

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Dieser Beitrag hat 8 Kommentare

  1. Regine L.

    The Circle war schon sehr beklemmend und erinnert an die Internetgiganten der heutigen Zeit. Ich bin gespannt auf Teil 2 „Every“.
    Auch war für mich Black Out eine spannende Dystopie. Was Stromausfall mit Menschen macht… man kann es sich genau so vorstellen…düster im wahrsten Sinne des Wortes!
    LG Regine

    1. Rebecca

      Liebe Regine,
      vielen Dank für Deinen Kommentar und den Hinweis auf die Fortschreibung von „The Circle“! Aus der Beschreibung des Verlags: „Will die Menschheit wirklich frei sein?“
      Die Gefahr eines großen Stromausfalls wie in Blackout mitsamt seinen schlimmen Folgen ist vielleicht eine der „realistischsten“ Dystopien unserer Zeit. Doppelt düster 😉
      Herzliche Grüße
      Rebecca

  2. Susanne Fricke

    Hallo,
    das Buch Vox würde mich sehr interessieren, denn ich finde solche Geschichten spannend.
    Ich habe als dystopisches Buch „Berlin Prepper“ von J. Groschupf in Erinnerung oder der „Wal und das Ende der Welt“ von John Ironmonger. Zu empfehlen ist auch T.C. Boyles „die Terranauten“ der Plan D von Simon Urban, alles unterschiedliche Bücher, aber – wie ich finde – alles sehr spannend!

    LG Susanne

    1. Rebecca

      Liebe Susanne,

      herzlichen Dank für Deinen Kommentar und die vielen Buchtipps. Die Inhaltsangaben klingen alle sehr spannend – habe auf jeden Fall Lust, mir das ein oder andere Buch näher anzuschauen.

      Du bist natürlich auch bei der Verlosung dabei 😉 Viel Glück!

      Rebecca

  3. Stina

    Danke für die gute Beschreibung, da kriegt man richtig Lust eine Dystopie zu lesen 🙂 ich habe zuletzt einen eher historischen Roman gelesen, der mir aber auch sehr gut gefallen hat (Fortunas Tochter von Isabel Allende). Liebe Grüße

    1. Rebecca

      Liebe Stina,
      danke für Deine Rückmeldung. Freut mich, wenn ich Dir Lust auf Lesen von Dystopien gemacht habe 😉 Fortunas Töchter klingt richtig abenteuerlich. Bislang kenne ich von Isabel Allende nur „Das Geisterhaus“ – auch empfehlenswert!
      Viel Glück beim Gewinnspiel und herzliche Grüße
      Rebecca

  4. Uwe

    Gut ist „Der Salzpfad“ von Raynor Winn … ein tiefgründiger Reisebericht!

    1. Rebecca

      Vielen Dank für den Lesetipp! Klingt sehr spannend 😉

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