Wann es Zeit ist, eine Auszeit zu nehmen (3 Gründe)

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Wann es Zeit ist, eine Auszeit zu nehmen (3 Gründe)

Viele gute Gründe scheinen gegen eine längere Auszeit vom Beruf zu sprechen: das fehlende regelmäßige Einkommen, eine Lücke im Lebenslauf, Tage ohne Struktur und die Unsicherheit, wie es nach einer Auszeit weiter gehen wird, sind vielleicht die größten Hürden, die uns von einer beruflichen Auszeit abhalten.

Dennoch gibt es Momente im Leben, in denen wir das Bedürfnis verspüren, eine Auszeit vom Job zu nehmen. Wann ist es an der Zeit, eine Auszeit zu nehmen?

Sicher: Arbeit ist ein wichtiger Teil unseres Lebens. Sie gibt uns sozialen und finanziellen Halt, strukturiert unser Leben und stärkt unser Selbstvertrauen. Aber mindestens genauso wichtig wie gute Arbeit sind ausreichend Pausen von ihr, in denen wir uns den anderen Säulen unseres Lebens widmen: Beziehungen, Gesundheit und persönlicher Entwicklung. Eine Auszeit kann uns Zeit dafür schenken.

Meditieren statt Meetings. Pilgern statt pendeln. Gute Bücher statt Businesspläne.

Bist auch Du reif für eine Auszeit?

Wann es Zeit ist, eine Auszeit zu nehmen

Bevor Du eine Auszeit nimmst, solltest Du Dir über Deine Motive klar werden. Je nach Lebensphase, persönlichen Erfahrungen und Wünschen gibt es mindestens drei verschiedene Gründe für eine Auszeit vom Beruf.

1. Erholung

Manchmal bürden wir uns zu viel auf. Wir übernehmen immer mehr und immer komplexere Aufgaben im Beruf, tragen Verantwortung für unsere Familie, kümmern uns um den Haushalt und engagieren uns nebenbei noch ehrenamtlich.

Alles ehrenwert. Aber wenn wir nicht aufpassen und rechtzeitig Grenzen ziehen, kommen wir irgendwann an einen Punkt, an dem wir vor lauter Verpflichtungen unseren eigenen Ansprüchen nicht mehr gerecht werden. Wir sind überlastet, unausgeglichen und hetzen ohne Pause von einer Aufgabe zur nächsten.

…für Körper

Unser Körper gibt uns Warnhinweise, wenn es uns zu viel wird: Wir sind unkonzentriert, ungeduldig und schlafen schlecht. Irgendwie ist der Spaß an den Aufgaben, die wir früher gern gemacht haben, verloren gegangen.

Linderung suchen wir schnell und leicht im Überkonsum der falschen Dinge. Fast Food, Alkohol, Shopping, Computer spielen und Soziale Medien versprechen uns kurzfristig Entspannung, wirken auf Dauer aber kontraproduktiv.

Körperliche Beschwerden, Suchtverhalten und noch mehr Stress können die negativen Folgen unseres falschen Verhaltens in Zeiten großer Belastung sein und unser bereits unausgeglichenes Leben weiter erschweren.

…und Geist

Bevor wir schließlich unsere Gesundheit gefährden, gestehen wir uns besser ein, dass wir uns einfach übernommen haben und es an der Zeit ist, etwas zu verändern. Weniger statt immer mehr.

Nicht, dass wir uns damit als „schwach“ deklarieren. Im Gegenteil: Die eigenen Grenzen zu erkennen und sich einzugestehen, zeugt von einer gesunden Selbstwahrnehmung und dem Mut entsprechend zu handeln. Das verdient Respekt.

Eine berufliche Auszeit zur körperlichen und geistigen Erholung verschafft uns neuen Spielraum. Weniger Verpflichtungen, mehr Vergnügen. Die vielen Dinge, die sich in unserem Leben angehäuft haben, sollten wir darauf prüfen, ob sie uns noch dienen oder ob wir uns nicht lieber von ihnen trennen.

Den gewonnenen Freiraum nutzen wir idealerweise zum Entschleunigen und für das, was uns persönlich gut tut. Seien es mehr Spaziergänge in der Natur, mehr Zeit mit der Familie, für ein geliebtes Hobby oder schlicht und einfach mehr Ruhe. Einfach weniger und genau das, was Dir gerade gut tut.

Ideen für einen Tag Auszeit findest Du hier.

2. Weiterbildung

Manchmal stecken wir fest. In einem Job, der uns langweilt, der uns keine Freude (mehr) macht, der einfach nicht mehr zu uns passt. Haben wir einige Zeit in einer bestimmten Position gearbeitet, können wir uns unterfordert fühlen. Wir brauchen eine neue Herausforderung, wollen verantwortungsvollere Aufgaben übernehmen, mehr bewirken.

…nebenberuflich

Anstatt in solchen Situationen gleich eine längere Auszeit zu nehmen, können wir zunächst strukturierte Wege der persönlichen Weiterbildung in Erwägung ziehen, etwa vom Arbeitgeber geförderte Weiterbildungsangebote, Aufstiegsprogramme oder ein interner Stellenwechsel. Wechseln wir den Arbeitgeber haben wir die Gelegenheit, mit ganz neuen Rahmenbedingungen, anderen Menschen und Arbeitsweisen umgehen zu lernen.

Berufsbegleitende Studiengänge und private Zusatzqualifikationen können ebenfalls unseren Wunsch nach Weiterbildung stillen – zusätzlich zum Job erfordern sie natürlich viel Freizeit und Disziplin. (Fern-)Kurse an einer Hochschule, der örtlichen Volkshochschule oder in anderen Bildungseinrichtungen beanspruchen weniger Ressourcen und sind genauso wie Online-Kurse und das Selbststudium von Büchern zu empfehlen, wenn wir uns in unserer Freizeit fachlich weiterentwickeln wollen.

…oder jenseits des Berufs

Sich eine längere Auszeit vom Beruf zu nehmen, hat im Unterschied zu den oben genannten Wegen den großen Vorteil, dass wir uns ausgiebig und fokussiert unserer fachlichen und sozialen Weiterbildung widmen können.

Ein mehrmonatiger Aufenthalt im Ausland erleichtert beispielsweise das Erlernen der dortigen Sprache und erweitert unseren kulturellen Horizont. Durch mehrmonatige Praktika bei Unternehmen im In- und Ausland verfeinern wir unsere Branchenkenntnisse oder gewinnen Einblicke in ganz andere Berufsfelder. Gerade wenn Du nicht sicher bist, ob Du Deinen erlernten Beruf weiter ausüben willst, kann Dir ein Vergleich mit anderen Branchen weiterhelfen.

3. Orientierung

Manchmal wissen wir nicht weiter. Wir haben zwar einen Job, den wir gut und gern machen, aber irgendetwas fehlt. Wir fühlen uns irgendwie am falschen Platz. Was uns früher mit Freude erfüllt hat, ist eintönig geworden. Wir wollen nicht unbedingt mehr, wir wollen etwas anderes. Aber was genau, können wir nicht sagen. Es fehlt die Entwicklungsperspektive, das Ziel.

In Phasen der Neuorientierung reicht es nicht aus, einfach die nächste Weiterbildung zu besuchen oder den Arbeitgeber zu wechseln. Wir stellen uns grundsätzliche Fragen zu unserem Job: Welchen Sinn hat meine Arbeit? Wie möchte ich in Zukunft arbeiten? Was möchte ich nicht mehr in meinem Berufsleben? Tue ich das Richtige? Warum das Ganze?

Den inneren Kompass neu ausrichten

Eine Auszeit, um den persönlichen Standort zu bestimmen und den weiteren Lebensweg einzuschlagen, erfordert einen umfassenden Ansatz. Für eine individuelle Neuausrichtung brauchen wir ausreichend Zeit, in der wir uns fundamentale Fragen nach unseren persönlichen Werten, Träumen und Zielen im Leben stellen und beantworten können.

Dazu gilt es, tief in uns hineinzuhören. Zwischen Bügelwäsche und Abendbrot gelingt das selten. Am besten suchen wir eine Umgebung, die sich von der unseres Alltags unterscheidet und uns viel Platz zum Nachdenken bietet. Manche gehen ins Kloster, andere gehen einen Pilgerweg oder unternehme eine Weltreise.

Es geht darum, Abstand von dem Gewohnten zu bekommen, von den vielen Kleinigkeiten, die uns oft vom Wesentlichen ablenken. Ohne den Ballast und die Zeitnot des Alltags fällt es uns leichter, zu uns selbst zu finden.

Um wieder unsere eigene Stimme zu hören, unterstützen uns neben einem Tapetenwechsel auch bestimmte Rituale und Gewohnheiten. Regelmäßiges Meditieren, Journal schreiben und das Üben von Achtsamkeit bei den Dingen, die wir denken, sagen und tun, bringen uns zu innerer Ruhe und Klarheit. Weitere Hilfe auf diesem Weg bieten z.B. Orientierungs-Coachings oder Bücher und Vorträge zum Thema Persönlichkeitsentwicklung.

Veränderungen einleiten

Und dann? Nach einer Phase der inneren Stille und Einkehr gilt es, wieder ins Handeln zu kommen. Für den Anfang reicht es, sich immer wieder kurze Zeitfenster zu reservieren für

  • die Dinge, die uns erfüllen und unser Herz höher schlagen lassen
  • längst vergessene Hobbys, die wir wieder aufnehmen
  • Aktivitäten, die wir schon immer ausprobieren wollten.

Wir können die Auszeit auch nutzen, um in andere Berufe hineinzuschnuppern oder auszuprobieren, wie es ist, selbständig zu arbeiten. Eine berufliche Auszeit gibt uns die Freiheit, endlich das zu tun, was wir tun wollen.

Möchtest Du eine Auszeit nehmen?

Hast Du Dich in einer der Beschreibungen wiedergefunden? Versprichst Du Dir Erholung, Bildung oder Orientierung von einer beruflichen Auszeit? Vielleicht beschreiben auch mehrere Punkte Deine aktuelle Situation und es spricht viel für eine Pause vom Job. Je genauer Du weißt, warum Du eine Auszeit nehmen möchtest, desto leichter wird es Dir fallen, eine Entscheidung zu treffen.

Eine Auszeit nimmt man nicht von heute auf morgen. Die Entscheidung dafür reift in der Regel über mehrere Monate oder Jahre in Dir heran. Richtig geplant bietet eine Auszeit vom Beruf jede Menge Freiheit, die Zeit nach Deinen Wünschen zu gestalten. Sie gibt uns die Chance, die Tage, Wochen und Monate mit dem zu füllen, was uns jenseits unseres Jobs am Herzen liegt und glücklich macht.

Alternativen

Bedenke, dass es Alternativen zu einer beruflichen Auszeit gibt. Immerhin verzichtest Du für eine bestimmte Zeit auf Dein Gehalt. Vielleicht reicht es aus, Deine Arbeitsstunden zu reduzieren und so mehr Zeit für andere Dinge in Deinem Leben zu gewinnen? Immer mehr Arbeitgeber bieten auch Sabbaticals an. Während dieser Form der Auszeit erhältst Du weiterhin einen Teil Deines Gehalts, bleibst in den Sozialkassen versichert und kannst nach einer festgelegten Zeit in Deinen Job zurückkehren.

Vielleicht reicht es Dir auch aus, kurze Auszeiten vom Alltag zu nehmen. Zu einem ausgeglichen Leben gehören sowohl Anspannung als auch Entspannung in einem regelmäßigen Rhythmus. Auszeiten vom Alltag solltest Du Dir deshalb immer wieder gönnen, z.B. am Feierabend oder mit einem freien Tag für Dich.

Entscheidest Du Dich für eine berufliche Auszeit, empfehle ich Dir, Dich im Vorfeld mit den Konsequenzen zu befassen und Vorbereitungen zu treffen. Insbesondere benötigst Du geordnete Finanzen, damit Du Dir eine Auszeit vom Job auch leisten kannst.

Lies hier, wie Du Dich mit 4 Fragen auf eine Auszeit vorbereiten kannst.

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